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Am 18. September. 659
die Wissenschaften sowohl, als für die immer größeren Fortschritte
auf der Bahn der Tugend. Studiren, Gebeth und Liebcswerke
wechselten bestandig mit einander ab, so daß ihm keine Zeit zu sinn-
lichen Ergötzungen übrig blieb. Durch strenge Selbstbeherrschung
und harte Abtödtungcn erstickte er die Keime fleischlicher Gelüste,
und machte dadurch seinen Geist immer freier, und immer fähiger,
zu erkennen das Ucbersinnlich? und in heiliger Betrachtung zu schauen
das Göttliche. Er erlangte zu Altala den Grad eines Magisters
der freien Künste, und wurde darauf zum öffentlichen Lehrer ange-
stellt. Um das Jahr 1516 kam er auf die hohe Schule zu Sala-
manka, ob dahin zum schrämte berufen, oder aus eigenem Antriebe,
vielleicht schon mit dem Vorsatze dort in ei» Kloster zu treten, mag
unentschieden bleiben. Er hielt zu Salamanka nur einige Vorlesun-
gen , die letzte über den 113. Psalm, entsagte dem Lehramte und
bald darauf auch, nachdem er in stiller Zurückgezogenhcit mit Gott
sich berathen hatte, dem Wcltleben, indem er sich in das Kloster
der Einsiedler des heiligen Augustin aufnehmen ließ. Schon in dem
Probejahre erwarb er durch seinen geistvollen Eifer, sowie durch seine
demuthsvolle Liebe die Verehrung der Brüoer. Nach Vollendung dessel-
ben , am 25. November 1517, legte er die feierlichen Ordensge-
lübde ab, und kaum war ein Jahr verflossen, als er auch die Prie-
sterweihe empfing. Ein sonderbares Zusammentreffen: der gelehrte
und fromme Thomas tritt um eben die Zeit in den Augusti-
nerorden ein, in welcher der Augustiner Martin Luther denselben
treulos verlaßt.
Am Weihnachtsfcste des Jahres 1518 entrichtete Thomas zum
Erstenmale das hochheilige Opfer. Die lebhafte Vorstellung der
Menschwerdung des Sohnes Gottes machte einen so tiefen Eindruck
auf ihn, daß er wegen der häufigen Thränen, die seinen Augen ent-
strömten, einige Zeit einhalten mußte. Gleiche Rührung offenbarte
sich in der Folge sehr oft, wenn er die heilige Messe las. Die eif-
rige Verkündigung des göttlichen Wortes, und die unverdrossene und
getreue Verwaltung des Bußsakramentes verschafften ihm den ehren-
vollen Namen: Apostel Spaniens. Durch diese wichtigen, anstren-
genden Geschäfte ließ er sich so wenig, als durch das Lehramt, das
er im Kloster zu besorgen hatte, abhalten, die Ordensregel pünktlich
zu erfüllen, und den geistlichen Uebungen mit erglühtcm Eifer obzu-
liegen. Schon im zweiten Jahre nach seiner feierlichen Profeß
wurde er zum Prior seines Klosters ernannt, gegen die herkömmliche
Sitte, nach welcher dieses wichtige Amt Keinem anvertraut wurde,
der nicht wenigstens sieben Jahre im Orden gelebt hatte. Daraus
erhellet, wie groß die Verehrung und das Vertrauen war, in wel-
chem Thomas bei seinen Mitbrüdern stand. Von dieser Zeit an
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen