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600 Der heilige Thomas von Villanova, Erzbischof.
war er fortwährend, so lange er in der Ordensgenossenschaft stand,
mit den wichtigsten Aemtern, und mit den schwierigsten Ordensge-
schäften beladen. Dermal war er Provinzial des Ordens. In al-
le» (Geschäften bewies er eine Weisheit, die nur denen eigen ist, die
mit dem Geiste Gottes erfüllt sind, und in der Leitung der Ordens-
glieder einen Ernst, vereint mit Sanftmut!) und Liebe, welcher ihm
die größte Verehrung, daher auch den willigen Gehorsam derselbe»
sicherte. Er leitete in der Genossenschaft All.'5 nicht so fast durch
amtliches Ansehe» u»d Befehlen, als vielmehr durch das Beispiel
se,»es deiligen Wandels. Jedermann hatte freien Zutritt zu ihm,
und Niemand ging von ihm weg, ohne heilsame Lehre, ohne Rath,
ohne Trost, und auch wenn er es bedürfte, nicht ohne zeitliche Hilfe.
Die hohe Erleuchtung schöpfte Thomas aus der fortwahrenden und
innigen Vereinigung seiner Seele mit Gott, die er durch Gebeth
und heilige Betrachtung, in dein,, er oft, zumal bei dem hochheili-
gen Opfer, dem Irdischen ganz entrückt zu seyn schien, unterhielt.
Seine Predigten waren eben deßhalb anch von ungewöhnlicher Sal-
bnng, daher tief eindringend in die Gemüther der Zulwrer. Der
Baiser Karl V. ernannte ihn zu seinem Prediger, setzte ihn in die
Zahl seiner Räthe, und befragte ihn schriftlich um seine Meinung,
wenn er abwesend war. Dieser Fürst soll einst von ihm gesagt ha-
ben: „Er ist ein wahrer Diener Gottes, und obgleich er mitten un-
ter den Menschen wohnt, ist er doch der Ehre würdig, die denen
gebührt, welche die Krone der Unsterblichkeit erlangt haben." Per-
sonen jeden Standes bewiesen dem Heiligen hohe Verehrung, und
nahmen seine Entscheidungen als Aussprüche des Himmels an.
Als Thomas zum Zweitenmale Ordensprovinzial war, also
zwischen den Jahren l,">^4 und l,'i^7 wurde er zum Erzbischose
von Granada ernannt; war aber auf keine Weise zu bewegen, diese
Bürde anzunehmen, weil er, wie die Heiligsprechungsbulle sich aus-
drückt, es vorzog, gering zu seyn im Hause seines Gottes. Der
erzbischöfliche Stuhl zu Valencia war durch viele Jahre unbesetzt,
und dadurch der Stand der kirchlichen Angelegenheiten im erzbischöf-
lichen Sprengel, zuMal Zucht und Ordnung in großen Verfall ge-
rathen. An diesem Unheile hatten den vorzüglichsten Antheil d!e
Mauren, deren viele sich nock in der Provinz befanden, und als
hartnäckige Widersacher des heiligen Glaubens sich bewiesen. Im
Jahre 1538 wurde zwar der verwaisten Heerde ein Hirt gegeben
in der Person des Georg, eines Oheims Kaisers Karl V, Allein
vor vier Jahren schon wurde er zum erzbischöflichen Stuhle nach
Lüttich berufen, und die Kirche zu Valencia war wieder ohne Ober-
Hirten. Der Kaiser und der spanische König Philipp I I . beherzig-
ten den klaglichen Zustand derselben, glaubten, daß durch einen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen