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662 Der heilige Thomas von Villanova, Erzbischof.
Haushaltes, und zur Ausbesserung des Palastes. Jeden Tag em-
pfingen fünf hundert 'Arme Brod, Wein und ein Geldgeschenk.
Viele Mädchen steuerte er aus zu anständiger Vecheiralhung. Er
erklärte sich zum Vater der Waisen, und hatte eine ganz besonnn'
Sorge für die Findelkinder. E,ne Seestadt seines Sprengels winde
von den Seeräubern geplündert; sogleich lief; er sie mit Lebensmit-
teln, und mit Geld zur Loskausung der Gefangenen verschen. Eif-
rig bemühte er sich, den Reichen gleiche wohlthätige Gesinnung ein-
zuflößen, um reicher an Barmherzigkeit, als an irdischen Gütern zu
werden. —
Mit banger Sorge sah der heilige Thomas auf die schwere
Bürde seiner bischöflichen Amtspflichten, und auf die kommende Ver-
antwortung wegen Erfüllung derselben. Er wandte sich deßhalb,
aber fruchtlos, an den Papst und an den spanischen Hof um die
Erlaubniß, das Erzbisthum niederlegen zu dürfen. Endlich n>>lmi
Gott die schwere Last ihm ab.. Er ward am 29. August l,">,">,'>
von einem Fieber befallen. Sogleich legte ^ unter vielen Thränen,
als wäre er der größte Sünder, eine allgemeine Beicht ab, empfing
mit großer Rührung die heilige Wegzehrung, ließ daraus allcs Geld,
das er besaß, an die Armen der Stadt vertheilen, und verschenkte
endlich auch noch sein, Bett an die Gefangenen. Am ,^. September
Morgens fühlte er eine große Abnahme seiner Kräfte. Da ver-
langte er, daß man ihm die Leidensgeschichte des Hcilands nach
dem heiligen Johannes vorlese. Unter Vergießung vieler Thränen,
und mit festem Blicke auf das Bild des Gekreuzigten, hörte er sie.
Hierauf wurde die heilige Messe in seinem Zimmer gelesen. Nach
der Wandlung fing er an den Psalm: ?,Auf dich, Herr! habe ich
gehofft," zu bethen, und entschlief nach der Communion des Pric:
stcrs, als er zu den Worten kam: «Herr! in deine Hände em-
pfehle ich meinen Geist," sanst in dem Hcrrn, im sieben und
sechzigsten Jahre seines crzbischöflichen Amtes. Seine Leiche wurde,
wie er es verlangt hatte, beerdiget in der Augustinerkirche zu Va-
lencia.
Alexander V i l . setzte ihn im Jahre 1K58 in die Zahl der
Heiligen. —
„Antwortet mir, Sünder, welchen bessern Gebrauch könnet ihr
von eueren Gütern machen, als wenn ihr sie zur Tilgung c»erer
Sünden verwendet? Wollet ihr, daß Gott euer Gebeth erhöre, so
erhöret das Rufen der Armen! Wünschet ihr, daß Gott eueren
Bedürfnissen abhelfe, so helft zuerst denen der Dürftigen ab, ohne
sie lange auf die nöthige Hilfe warten zu lassen. Kommt beson,
dcrs den Nöthen jener hilfreich entgegen, die sich nicht getrauen, zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen