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668 Der heilige Ignatius von Lojola :c.
Heiligkeit seines Wandels seinen Unterweisungen einen großen Zu-
lauf verschafften, von Menschen, die vom Neide sich beschleichen lie-
ßen, bei den geistlichen Oberen verdächtiget, die ihn sogar in's Ge-
fängniß setzen ließen; dann aber auch seine durch Untersuchung m'5
helle Licht gestellte Unschuld, und den Ruhm seiner Tugend öffentlich
bekannt machten.
Im Winter des Jahres l,'>25 reiste er nach Paris, und fing
da seine Studien, so zu sagcn von Neuem an. Dießmal hatte er
von seinen Freunden das ihm zur Bestreitung seiner Reise angebo-
tcne Geld angenommen; da aber in Paris ein Dieb ihm seine ganze
Barschaft entwendete, sah er sich gezwungen, seinen Aufenthalt im
Spitale St. Jakob zu nehmen, und sein tägliches Brod zu betteln,
bis er bei einer, zur Ferienzeit unternommenen Reise nach Flan:
dern, uon spanischen Kaufleuten und von seinen Freunden aus Bar:
celona Unterstützung erhielt. Nachdem er zwei Jahre zur vollkom-
menen Erlernung der lateinischen Sprache gewidmet hatte, hörte er
im Kollegium zu St. Barbara durch drei und ein halbes Jahr
Philosophie. Gedrungen uon seinem Seelcne,fer, arbeitete er mit
allem Ernste an der Heiligung der Schüler, welche dieses Kollegium
besuchten. Er brachte mehrere Schüler dahin, daß sie an Sonn-
und Festtagen dem Gebethe oblagen, und nur allein guten Werken
sich widmeten. Der Professor Pegna meinte, daß alle diese Schüler
deßhalb ihre Studien vcrnachläßigtcn, stellte ocn Ignatius zur Rede,
und verlangte bald darauf, als jene ihre frommen Uebungen fort:
setzten, Unterstützung von dem Vorsteher des Kollegiums, dem Pro-
fessor Govna. Dieser, gegen den Ignatius eingenommen, beschloß
mu' öffentliche Strafe durch Ruthenstrciche an ihm zu vollziehen.
Ignatius war bereit, Alles zu erdulden, glaubte aber doch, dem
Govna vorstellen zu müssen, daß seine öffentliche Bestrafung den
Mitschülern, die er aus bessere Wege geführt hatte, zum Anstoße
sey, und das bewirkte Gute zerstören möchte. Ohne etwas zu er:
wiedern, führte ihn Govna mit sich in den Saal, wo Alles vcr:
sammelt war, warf sich da, als das Zeichen zur Bestrafung gegc:
bcn wurde, dem Ignatius zu Füßen, und bat ihn um Verzeihung,
daß er der falschen Anklage so geschwind Glauben beigemeffen habe,
stand dann vom Boden auf, und sagte laut: „Dieser ist ein Hcili:
gcr, der nur das Heil der Seelen im Auge hat, »nd bereit wäre,
die schmählichsten Züchtigungen zu erdulden." Eine so feierliche Ge:
nugthuung führte die Anwesenden von ihrvn vorschnellen Urtheilen
zurück, und machte den Namen Ignatius allenthalben berühmt. Die
angesehensten Mitglieder der Universität wollten ihn kennen lernen,
und ausgezeichnete Lehrer fragten ihn um Rath ober Gegenstände
der Frömmigkeit. Der Professor Pegna ward sein Freund, und gab
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen