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676 Der heilige Franziskus von Xavier ic.
ihre Freude mehr stören könnte. Gegen Ende des Monats Juni
kam er zu Lissabon an, und suchte den Rodriquez auf, der früher
die Neise nach Portugal angetreten hatte. Er fand ihn in einem
Spitale, wo er die Kranken unterrichtete und pflegte, und gesellte
sich ihm oei, zur Uebung jeden Werkes heiliger Liebe. Der Eifer
und die Tugend der apostolischen Männer erregte allgemeine Be-
wunderung. Der König wollte sie deßhalb in seinem Reiche behal-
ten; endlich ward beschlossen, daß Rodriqucz in Portugal bleibe,
und Franz Tavier allein nach Ostindien abgehe. Dieser befand sich
acht Monate zu Lissabon, weil die Flotte erst im nächsten Früh-
jahre, am 7. April 1541, absegelte. Vor der Abreise übergab ihm
der König vier Breven des Papstes, deren erstes und zweites ihn
zum apostolischen Nuntius in Indien mit ausgedehnten Vollmachten
ernannten, die andern ihn dem äthiopischen Könige David und den
übrigen Fürsten des Orients empfahlen. Man machte ihn aufmerk-
sam , einen Bedienten sich geben zu lassen. Darauf erwiderte er,
er sey noch im Stande, sich selbst zu bedienen; und auf die weitere
Vorstellung, es sey unschicklich, daß ein apostolischer Nuntius sich
selbst die Nahrung bereite, und die Wäsche auf dem Schiffsverdecke
besorge, antwortete er: es sey nicht zu besorgen, daß er Aergerniß
gebe, wofern er nichts Böses thue. Er war auch nicht zu bereden,
etwas Anderes mit sich zu nehmen, als Bücher für die Neubekehr-
tcn. Der Pater Rodriqucz begleitete ihn zu Schiffe, und diesem
vertraute er unter den zärtlichsten Umarmungen ein Traumgcsicht
an, durch welches ihm in Rom, was er für die Ehre Jesu Christi
leiden werde, gedeutet wurde. Er schloß die Erzählung mit den
Worten: „Ich hoffe, daß die göttliche Güte mir in Indien geben werde,
was sie mir in Italien gezeigt hat, und daß die Wünsche, welche
sie mir eingeflößt, bald sollen gcsättiget werden."
Die Flotte ging unter dem Befehle des Martin Alphons von
Sousa unter Segel, der zum Vicckönig von Indien ernannt, den
Franz Tavier auf seinem Schiffe haben wollte. Dieser hatte zwei
andere Ordensmänner, den Paul von Camerino, und den Franz
Mansilla zu Gefährten. Es befanden sich bei tausend Personen auf
dem Schiffe des Vicekönigs. Havier betrachtete sie als eine seiner
Obsorge anvertraute Heerde. Er war unermüdet in Unterweisung
der Matrosen; predigte alle Sonntage am Fuße des großen Mast-
baumes; besorgte die Kranken; legte aufkeimende Zwistigkeitcn bei;
verhütete nach Kräften Flüche, Gotteslästerungen und leidenschaftliche
Spiele, und entflammte durch seine Andachtsglut die lauesten Ge-
müther. Nicht nur nahm er die Einladung, an der Tafel des
Vicekönigs zu speisen nicht an, sondern theilte die von demselben
ihm zugeschickten bessern Speisen unter die Schwachen und Kranken
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen