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Am 13. November. 691
auch den Hofmeister und Bruder des Kranken gegen dieses Verlan-
gen zu stimmen. Von tiefem Schmerz durchdrungen trug Stanis-
laus sein Anliegen in brünstigen Seufzern Gott vor, und sprach die
Fürbitte der heiligen Barbara an, die man als eine besondere Pa-
tronin der Kranken zu verehren pflegt. Er ward beruhigt, denn in
seiner Andachtsgluth und dem heißen Verlangen nach dem Brode
des LebenS, kam ihm vor, als würde dieses von zwei Engeln ihm
gereicht. Während der Krankheit setzte er bei i^ch fest, was ihm
seit einem Jahre schon im Sinne lag, er aber Niemanden zu offen-
baren sich getraute, in den Orden der Gesellschaft Jesu zu treten.
Ein himmlisches Gesicht soll diesen Borsatz bekräftiget haben. Von
der Krankheit hergestellt, entdeckte er sein Vorhaben dem Pater Ma-
gius, Provinzial eines Theils von Deutschland, der sich eben jetzt
in Wien befand; dieser getraute sich aber nicht, ihm die Ausnahme
in den Orden zuzusagen, aus Besorgniß, daß er den Unwillen des-
sen Vaters auf sich und den Orden lade; denn dieser hatte sich e"-
klärt, daß er nie zum Eintritte seines Sohnes in einen Orden die
Einwilligung geben werde. Aus gleichem Grunde wurde Stanislaus
mit seinem Gesuche um Verwendung bei dem Provinzial, auch abge-
wiesen von dem Cardinal Cammcndon, der als Legat des Papstes
Pius V. in Wien war.
Verlassen von den Menschen, nahm der hcilsbegierige Jüng-
ling seine Zuflucht nur allein zu Gott, dem er sein Anliegen, drin-
gender als je, in seinem Gebethe vortrug; berathschlagte sich dann
mit seinem Beichtvater, und ging insgeheim weg von Wien; ließ
aber seinem Hofmeister und seinem Bruder einen eben so zärtlichen
als rührenden Brief zurück. Er kam zuerst nach Augsburg und
darauf nach Dillingcn, wo er den berühmten Canisius, der damals
Provinzial von Oberdeutschland war, um die Aufnahme in den Or-
den ersuchte. Canisius wollte dessen Beruf prüfen, und trug in die-
ser Absicht ihm auf, die Zöglinge des Lollegiums bei Tische zu be-
dienen, und die Zimmer derselben zu besorgen. Stanislaus verrich-
tete diese Geschäfte mit einer Demuth und einem Eifer, daß Alle
ihn bewunderten. Nach drei Wochen entließ ihn Canisius nach
Rom, wo er von dem Ordensgencral Franziskus Borgias die Auf-
nahme ins Kloster erlangte. Er machte ohne Verzug, unter der
Leitung des Novizenmeisters, die vorgeschriebene Geistcsversammlung,
und empfing am Feste der heiligen Apostel Simon u»d Judas 15>67
das Ordenskleid. Einige Tage nachher erhielt er einen Brief von
seinem Vater, der in sehr bitterer Sprache abgefaßt, und mit har?
ten Vorwürfen, ja sogar auch Drohungen gegen ihn und gegen den
Orocn angefüllt war. Er beantwortete ihn mit Ausdrücken der
zärtlichsten Ehrerbietung, aber auch mit christlicher Freimüthigkeit,
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen