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70l> Die heiligen Märtyrer von Gorcum, in Holland.
mußte die Stadt Gorcum in kurzer Zeit das gleiche Schicksal und
gleichei Greuel erwarten. In dieser Stadt befand sich ein Franzis:
kanerkloster. Der Quardian desselben, Nikolaus Pic, ein Mann
von acht und dreißig Jahren, berühmt durch den glänzenden Erfolg
seiner Predigten, und allgemein geschätzt wegen der Gewissenhaftig-
keit, mit welcher er seinen Wandel nach dem Geiste seiner Ordens:
regel einrichtete, und bewundert wegen seiner Liebe zur Armuth und
zur Abtödtung, sah mit christlichem Muthe dem Sturme entgegen.
Er stellte es seinen Ordensbrüdern frei, anders wohin sich zu bege-
ben, und durch die Flucht sich zu retten; er selbst aber war hiezu
durch die dringendsten Vorstellungen, die ihm insbesondere Rutger
Estius, seiner Schwester Sohn, machte, nicht zu bewegen. Tauschen
ließ er sich jedoch auch nicht von den auf einmal erschallenden, und
von d.'n Geusen absichtlich ausgesprengten Gerüchten, daß weder an
Kirche» und Klöstern, noch an Personen eine Gewaltthätigkeit verübt
weide. Er brachte die Angelegenheiten des Klosters so viel möglich
in Ordnung, verbarg die kirchlichen Gcräthe und vieles Andere, was
im Kloster von Werth war. Mit dem Ouardian hatte gleiche Ge-
sinnung der Vikar des Klosters, Hierouymus von Werden. Man
machte Anstalt, die Stadt Gorcum gegen die Aufrührer zu vertheidi-
gen. Aber nur wenigen von den Bürgern war es damit ein wah-
rer E nst, vielmehr ward nur zu offenbar, daß viele mit Sehnsucht
die Ankunft der Geusen erwarteten. Die zwei Stadtpfarrer Leonard
Wechei und Nikolaus Popel, denen Gottfried Düren, der früher
Rektor der Universität zu Paris, darauf Pfarrer in Holland an der
Gränze Frankreichs gewese" war, und jetzt, hoch an Jahren, sein
Leben in Ruhe in seiner Vaterstadt beschließen wollte, sich beigesellte,
waren eifrigst bemüht, den Bürgern ihre Pflicht gegen Religion und
König an's Herz zu legen, und zum muthvollen Widerstände gegen
die Aufrührer sie zu ermuntern. Ihre Reden fanden aber nur bei
sehr Wenigen den erwünschten Eingang. Mit Kummer mußten sie
sich d^r Gewißheit überlassen, daß die Stadt ohne bedeutenden Wi-
derst«! d den anrückenden Geusen überlassen werde. Sie zogen sich
deßhalb mit vielen andern Gutgesinnten in die befestigte Burg zu-
rück. Ohne Schwertstreich wurde Gorcum den Geusen übergeben,
und in wildem Jubel auf offenem Platze dem Prinzen von Oranien,
als Statthalter von Holland, gehuldiget. Sogleich machten sich
die Aufrührer an die Eroberung der Burg, die einige Zeit kraftvol-
len Niderstand leistete, dann aber sich genöthigct sah, zu kapituli-
rcn. Eidlich ward von dem feindlichen Anführer Marinus allen in
derselben Befindlichen die Erhaltung des Lebens zugesichert. Sie
vertrauten aber so wenig hierauf, daß sich Viele, zumal Priester und
Mönche, die dahin sich zurückgezogen, und mit den Andern muthvoll
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen