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Am 9. Jul i . 703
Wilhad mit Namen, erwiederte auf jcde Mißhandlung, und auch
auf die Backenstreiche; die er empfing: „Gott sey Dank!" und als
ein frecher Schurke spottweise, ihm zu beichten, sich anstellte, und
ihn dann fragte, was er zu dieser Beicht sage, antwortete der
fromme Greis: „Ich will für dich bethen!" worauf jener wie rasend
ihn anfiel, und durch viele Faustschläge mißhandelte.
Der Pfarrer Wechel wurde aus dem Gefängnisse berufen, zwei
zum Tode verurthcilten Katholiken geistlichen Beistand zu leisten.
Nachdem er's mit erglühtem Eifer gethan hatte, und die Soldaten
ihn in's Gefängniß wieder zurückführen wollten, widersetzten sick viele
Bürger der Etadt, worauf er aufs Rathhaus gebracht, und da
ihm aufgetragen wurde, die reine evangelische Lehre (täuschender
Aushängschild der Scktirer) zu verkündigen. Am zweiten Tage
darauf, am Feste der Heimsuchung Maria, predigte er, sprach uner-
schrocken aus die katholische Lehre von der göttlichen Mutter, und
wamte nachdrücklich gegen die Irrlehre der Neuerer. Wenige Tage
wurde er von diesen, als er seine kranke Mutter besuchen wollte,
auf offener Straße ergriffen, fürchterlich mißhandelt, und endlich wie:
der zu den andern Gefangenen in die Burg gebracht. Viele der
Gefangenen hatten ihre Verwandten, insbesondere der Quardian
>eine Mutter, drei Brüder und eine Schwester in der Stadt; diese
und andere Gutgesinnte gaben sich alle Mühe, die Befreiung dersel-
ben durch Lösegeld zu erwirken; die Anhänger der Geusen wußten
es aber immer zu hintertreiben. Nur Wenigen wurde die Loslas-
sung zu Theil. Die Andern wurden endlich auf Befehl des blut-
dürstigen Grafen von der March in der Nacht vor dem 6. Juli,
nachdem sie noch aller ihrer Oberkleider von den Soldaten beraubt
worden waren, von Grocum nach Vriel abgeführt. Zu Dororecht
blieben sie während der Zeit, als ihr Führer Johann Omalius, ein
abtrünnig gewordener Domherr aus Lüttich, sich bei vollem Tische
gütlich that, und sie hungern ließ, öffentlich dem Gespötte und der
Mißhandlung des Pöbels ausgesetzt. Gegen Abend kamen sie eine
Halde Meile vor Briel an. Sie mußte» auf dem Schiffe übernach-
ten und vor Hunger und Kälte fast verschmachten. Am Morgen
brachte man sie vollends nach Bricl. Auch hier blieben sie am Ge-
stade über eine Stunde dem Gespötte der Gottlosen ausgesetzt, end-
lich wurden sie, zwei und zwei an einander gebunden, aus dem
Schiffe herausgeführt und gezwungen, einigemale um einen nahe ge-
legenen Galgen, zum Höhne der bei den Katholiken üblichen Pro-
zcssiunen, herumzugehen und kirchliche Lieder zu singen. Den Hohn
zu vergrößern, wurde einem vorausgehenden Lajenbruder eine alte
Fahne in die Hand gegeben. Eden so mußten sie den Einzug in
die Stadt halten, und dann wieder dreimal um den Galgen gehen,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen