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708 Der heilige Franziskus Borgias :c.
des St. Iakobordens. Sehr getreu verwaltete er sein yohcs Amt,
und ward in Wahrheit und in jeder Beziehung der Vater der seiner
Regierung anvertrauten Provinzen. Dabei übte er mit unbeschreib-
lichem Eifer die Werke der Gottseligkeit und der strengsten Abtöd-
tung; suchte aber die letztern sorgfaltig vor den Augen der Menschen
zu verbergen. —
Um diese Zeit starb sein Vater, dessen Tod er tief betrauerte.
Er bat nun den Kaiser um Erlaubniß, seine Stelle als Vicekönig
niederlegen zu dürfen, und begab sich, nachdem er dieselbe erlangt
hatte, im Jahre 1543 nach Gandia. Da verdoppelte er den Eiser
der Gottseligkeit und der Nächstenliebe. Die Stadt Gandia ließ er
befestigen, um seine Unterthanen oor den Ueberfällen der afrikani-
schen Seeräuber zu sichern. Das Spital von Lombay stellte er wie-
der her, und verwandelte es in ein Dominikanerkloster. Seine Ge-
mahlin, die Herzogin Eleonora, eine redliche Genossin seiner Gott-
seligkeit und seiner guten Werke, ward krank, und starb am 27.
März 1546, ungeachtet der sorgfältigsten Pflege und aller zu ihrer
Wicdergenesung angewendeten Mittel. Der tief bestürzte Gatte, der
jetzt sechs und dreißig Jahre alt war, tröstete sich über einen so
großen Verlust durch die zuversichtliche Hoffnung, daß seine Geliebte
die Belohnung ihrer hohen Tugenden in dem Himmel, wo er bald
sie wieder sehen werde, genieße. Durch eben diese Trostgründe be-
ruhigte er auch seine, den Tod der Mutter schmerzlich fühlenden, Kin-
der — fünf Söhne und drei Töchter. Wenige Tage nach dem
Tode seiner Gattin hielt Franziskus eine Geisteoversammlung nach
Vorschrift der Geiste^übungen des heiligen Ignatius, unler der Lei:
tung des Jesuiten le Fevre, der um diese Zeit zu Gandia sich auf-
hielt, und mit dem er zugleich auch die Gründung eines Iesuiten-
collegiums in dieser Stadt verabredete. Es kam sehr bald zu
Stande, und erhielt von dem Kaiser und von dem Papste die Vor-
rechte einer hohen Schule. Er dachte nun allen Ernstes daran, sein
Gelübde, in einen geistlichen Orden zu treten, zu erfüllen. Nach
reifer Ucberlegung, die er durch Gebeth und durch Werke der Buße
und der Liebe heiligte, fiel seine Wahl auf den neugestifteten Orden
des heiligen Ignatiuö, vorzüglich wegen der Satzung desselben, nach
der die Ordcnsgliedcr von kirchlichen Würden frei zu bleiben hoffen
durften. Er schickte einen Eilboten nach Rom, den heiligen Igna-
tius um die Aufnahme zu bitten. Ignatius meldete ihm, er solle
die Ausführung seines Vorhabens verschieben, bis er seine Kinder
versorgt, und die angefangene Stiftung des Lollegiums zu Gandia
vollendet habe; auch rieth er ihm, einen ganzen theologischen Kurs
zu Gandia durchzumachen, und in dieser Wissenschaft den Doktor-
grad zu nehmen, zran-ibtuü befolgte pünktlich diese Weisung. In
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen