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Am 10. Oktober. 709
Folge einer besondern Dispense des Papstes wurde ihm erlaubt, jetzt
schon die ersten Gelübde abzulegen, und noch vier Jahre in der
Welt zu bleiben, seine zeitlichen Angelegenheiten zu ordnen. Schon
im Jahre 1549 waren diese beendiget, und er reisete nach Rom ab.
Sein dcmüthiger Sinn ward tief gekränkt durch die Ehrenbezeugun-
gen, die ihm allenthalben, und vorzugsweise in Rom, wo er am
ZI . August 1550 ankam, erwiesen wurden. Er weigerte sich, in
dem päpstlichen Paläste auf einige Zeit Wohnung zu nehmen; ver-
fügte sich in das Haus der Jesuiten, und zog sich da, nachdem die
ersten Besuche, die, obgleich ihm sehr lästig, und unausweichbar,
vorüber waren, in stille Einsamkeit zurück, und bereitete sich zum
Jubiläum vor. Die großen Summen, die er mitgebracht hatte, ver-
wendete er zum Baue eines Profeßhauscs, und dcs römischen Colle-
giums der Jesuiten. Schon vier Jahre hatte er in Rom gewohnt,
als das Gerücht sich verbreitete, der Papst wolle ihn zum Cardinal
erheben. Schnell verließ er mit Erlaubniß des heiligen Ignatius
Rom, floh insgeheim nach Spanien, wo er sich, nach einem kurzen
Aufenthalte in dem Schlosse Lojola, zu den Jesuiten nach Ognate,
einer kleinen, etwa vier Stunden vo,n diesem Schlosse gelegenen
Stadt, begab. Hier erhielt er zu seiner unaussprechlichen Freude
von dem Kaiser die Erlaubniß, sein Herzogthum auf seinen ältesten
Sohn übertragen zu dürfen, zugleich mit der Versicherung, daß der
Fürst seine übrigen Kinder in Schutz nehmen wolle. Unverweilt be-
gab er sich in eine Kapelle, wo er das Gelübde, Gott in Armuth
und Abtöotung sich ganz zu weihen, erneuerte. Dann fertigte er
die Vcrzichtleistung auf Alles, was er in der Welt noch besaß, zu
Gunsten seines Sohnes aus; darauf ließ er die Haare sich scheeren,
und zog das Ordensgcwand der Jesuiten an, im Jahre 1551. Im
August des nämlichen Jahres empfing er die Priesterweihe, und las
seine erste heilige Messe in dem Schlosse zu Lojola. Erglüht vom
heiligen Andachtscifer und von dem Verlangen, nur für seinen Er-
löser zu leben, erbat er sich von den Behörden zu Agnata eine, bei
der Stadt gelegene, Einsiedelei; in diese verschloß er sich mit Er-
laubniß seiner Obern, begleitet von einigen Vätern der Gesellschaft.
Unter allen seinen Tugenden leuchtete die Demuth am glänzendsten
hervor. Er sah sich als den Letzten von Allen an, und suchte im-
mer die niedrigsten Dienstverrichtungen des Hauses.
Nach dem am 19. Februar 1565 erfolgten Tode des Ordens-
gcnerals Lajncz wurde Franziskus Borgias fast einstimmig an dessen
Stelle zum Ordensobern erwählt. Ergriffen vom Schmerzgefühle,
stand er unbeweglich in der Versammlung da, ohne nur ein einzi-
ges Wort zur Vorschützung seiner Unfähigkeit, die er kurz vorher
seinem vertrautesten Freunde sehr lebhaft geschildert hatte, vorbringen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen