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Die heilige Theresia,
Jungfrau und Ordensstif terin.
(Am 15. Oktober.)
Die heilige Theresia hat ihr Leben größtentheils selbst beschrie-
ben , und zwar aus eine Weise, daß jeder Worwurf eigcnliebiger
Parteilichkeit durch den Inhalt dieser Beschreibung, welche den Be-
kenntnissen des heiligen Augustin mit Recht an die Seite gestellt
werden darf, widerlegt wird.
Theresia, die Tochter der adeligen Eltern Alphons Sancho von
Copeda, und Beatrix von Ahumada, wurde geboren zu Avila in
Altkastilien, am 28. März 1515. Ihr Bater las gerne gute Bü-
cher; strebte nur allein nach der Tugend; war liebreich gegen die
Armen, und mitleidsvoll gegen die Kranken; freundlich und leutselig
gegen Jedermann; behandelte seine Dienerschaft mit außerordentlicher
(Gutherzigkeit und Milde; liebte Geradheit und Offenheit, und ver-
abscheute jede Verkleinerung des Nächsten. Gleichen Sinn und glei-
ches Streben bewies ihre Mutter, und beide vereinigten die sorgfäl-
tigste Bemühimg in frommer Erziehung der Kinder, die sie frühe zu
Gott bethen lehrten, ihnen auch einflößend eine zärtliche Andacht zu
der allerseligsten Jungfrau und z» den Heiligen. Schon im sechs-
ten und siebenten Jahre ward Theresia vom Gefühle inniger An-
dacht mächtig ergriffen. Sie hatte erst daß zwölfte Jahr erreicht,
als ihre Mutter, nach vielen, standhaft erduldeten Leiden starb. In
Thränen zerfließend warf sich Theresia vor das Bild der seligsten
Jungfrau hin, und flehte zu ihr, sie möchte Mutterstelle an ihr ver-
taten. Diese Handlung, die sie mit großer Herzcnseinfalt verrich-
tete, schien ihr eine der segensvollsten des ganzen Lebens zu seyn;
denn der Fürsprache einer so mächtigen Beschützerin schrieb sie die
unzähligen Gnaden zu, die sie vom Himmel erlangte. — Sie hatte
cilf Geschwister, liebce alle, und wurde von allen geliebt. Einen
der Brüder liebte sie jedoch noch zärtlicher, als die andern. Mit
il,in las sie vielfältig in dem Leben der Heiligen. Beide wurden
tief gerührt durch die Betrachtung der Liebe Gottes, in der die Hei-
ligen so Großes gewirkt, ja sogar viele derselben Marter und Tod
freudig erduldet hatten. In Beiden erwachte die Sehnsucht nach
gleichem Tode, und nach baldigem Genuß der Freuden des Him-
mels. Diese Sehnsucht führte sie zum Entschlüsse, in Bettler ver-
kleidet, unter die Mauren zu gehe», um durch ihre Hände für den
Heiland zu sterben. Eines Tages entflohen sie in dieser Absicht
aus dem vaterlicken Hause, begegneten aber beim Austritte aus der
Stadt ihrem Oheim, der sie dahin wieder zurückführte. Sie erhiel«
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen