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Am 15. Oktober. 72!
gen Thränen. „Gott allein," schreibt sie, „weiß, was ich an den
Folgen diestr Schwäche zu leiden hatte. Meine Zunge war ganz
zerbissen, und meine Gurgel so eingeschrumpft, daß nicht einmal das
Waffer mehr durchging, ich war wie erdrosselt. Es kam mir vor,
als hingen meine Gebeine nicht mehr zusammen; ich war ganz be:
täubt, und so zusammengestarrt, daß ich weder Kopf noch Arm,
noch Fuß zu bewegen vermochte. Ich konnte keine Berührung er-
tragen, und in diesem Zustande verblieb ich bis zum Palmsonntage,
nach welchem ich etwas weniger litt, obwohl die Fieberschauer, die
ich noch hatte, fast unerträglich waren." Großen Trost verschaffte
ihr die Geschichte Jobs, und sie hatte immer im Herz und im Munde
die Worte: „Da wir so viel Gutes von Gottes Hand empfangen
haben, warum sollten wir nicht auch die uns zugeschickten Leiden
ertragen?"
Auf ihr sehnliches Verlangen wurde Theresia, ihrer großen
Schwache ungeachtet, aus dem väterlichen Hause wieder in's Kloster
getragen. Drei Jahre blieb sie an ihren Gliedern gelähmt. End-
lich brachte sie es so weit, daß sie sich mühsam fortschleppen konnte;
und dafür dankte sie dem Herrn mit gerührtem Herzen. Ihre
fromme Ergebung kräftigte so sehr ihren Muth, daß man sie nie-
mals klagen horte. Je mehr sie l itt, desto sichtbarer wurde ihre
gänzliche Hingebung in Gottes heiligen Willen. An Gott denken,
von Gott reden, war ihre größte Freude; jedes eitle Gespräch 'hr
widerlich, und jede üble Nachrede gegen den Nächsten ein großer
Abscheu. Ihr fromme Eifer erhielt neue Kraft durch das betrach-
tende Gebeth, zu welchem sie die Anleitung in einem Buche fand,
welches der Oheim ihr geliehen hatte. Sie war damit jetzt schon
sehr vertraut. Die Einsamkeit wurde ihr von Tag zu Tag ange-
nehmer. Der Empfang der heiligen Sakramente fachte ihre An:
dachtsgefühle zur heiligen verzehrenden Flamme, und da Gott ihr
die Gnade der Thränen verliehen, empfand sie mehr, als je, die sü-
ßen Tröstungen, die er denen, die da weinen, verheißen hat. Sie
schritt auf dieser Bahn immer weiter voran, und gelangte oft in
ihrem Andachtsfeucr in jenen seligen Zustand der Beschallung, wel-
cher die Seele über alle erschaffene Dinge erhebt, und sie eine ge-
wisse Zeit ganz allein an den Gegenstand ihrer Liebe heftet; ja, sie
kam zu jenem noch höhern Aufschwünge, in dem alle Seelenvermö-
gen sich gleichsam in Gott versenken. Je mehr und mehr beweinte
sie ihre früheren Fehltritte, und die ihr jetzt noch anklebenden
Schwachheiten.
Da sie in ihrem jugendlichen Alter sich gelähmt sah, und von
den Aerzten keine Rettung mehr hoffte, sichte sie mit neuer Inbrunst
die göttliche Hilfe und die Fürbitte der Heiligen an; ertrug aber
Zweiter Bond. 46
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen