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722 Die heilige Theresia, Jungfrau und Ordensstifterin.
auch fortwährend mit unermüdliche (Geduld alle ihre Leiden. Vie-
len Trost verschaffte ihr der Gedanke, daß es ihr weit vortheilhaf-
ter sey, kranklich zu bleiben, wenn die Genesung die Ursache ihres
Verderbens seyn sollte. Nach drei Jahren, die sie harrend und dul-
dend zugebracht hatte, erlangte sie so ziemlich ihre Gesundheit, und
nun erglänzten die Eigenschaften ihres Geistes in neuem Schimmer;
waren aber auch der Grund, daß viele Menschen, die sie sehen und
hören wollten, ins Kloster kamen, sie zu besuchen; denn die Carme-
literinnen dieses Klosters hielten, obschon sie übrigens sehr regelmä-
ßig lebten, keine Klausur. Dadurch gewöhnte sie sich zu sehr an
auswärtige Unterhaltung, ward zerstreut, und kam so weit, daß sie
das betrachtende Gebeth unterließ, unter dem Vorwande der De-
muth , sie sey, einer so heiligen Uebung obzuliegen, nicht würdig.
Gott öffnete ihr die Augen, sie auf die ihr drohende Gefahr des
gänzlichen Rückfallcs aufmerksam zu machen. Aus zärtlicher Liebe
^u ihrem Vater bemühte sie sich, auch ihn zum betrachtenden Gc-
dethe, von dem sie selbst jedoch bereits abgekommen war, durch Bü-
cher und mündliche Belehrung anzuleiten. Er machte darin so große
Fortschritte, daß seine Tochter, dafür Gott zu danken, nicht müde werden
konnte. Dieses trug nicht wenig bei zur Linderung seiner Schmer-
zen am Abende seines Lebens, die er mit gänzlicher Ergebung in
den Willen Gottes duldete. Er starb, als Theresia, welche die
möglichste Sorge für seine Genesung ohne Erfolg anwendete, uier
und zwanzig Jahre alt war, den Tod der Gerechten, lief betrauert
ucn allen seinen Kindern. Am Krankenbette des Vaters ward sie
bekannt mit dem Pater Vincenz Bavon, der durch die Erleuchtung,
die er sich auf den ini'c'.'n Seclcnwegen errungen hatte, ihr Ver-
trauen gewann, und sie zur Uebung des betrachtenden Gebethes
wieder zurückführte. Bitterlich beweinte sie jetzt und in der Folge
immer, ihre in äußerlichen Unterhaltungen genossene Vergnügen, ob-
gleich ihre Beichtväter an denselben nichts Tadelnswertes gefunden
hatten. Ost ermähnte sie nun Andere, von der gottseligen Uebung
des Gebethes nicht abzustehen, wie groß auch der Eckel an dersel-
ben , wie vielfältig die Zerstreuungen dabei, und wie mannigfaltig
die Gebrechen derselben auch immer seyn mögen, und erzählte mit
unbefangener Offenheit den Eckel und die Unlust, die sie selbst vielr
mal zu bekämpfen hatte.
Durch die Betrachtung eines Gemäldes, das unsern Erlöser,
ganz mit Wunden bedeckt, vorstellte, ward ihre Liebe zu dem dul-
den Heilande so lebendig und zärtlich, daß sie in der Betrachtung
seiner Leiden nicht müde werden konnte. Mit besonderer Rührung
betrachtete sie den Heiland an den Orten, wo er am meisten ver-
lassen und in Leiden versenkt gewesen, weil sie ihn da geneigter zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen