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Am 3!. Oktober. 725
nichts auf dieser Erde zu erwarten, als beständige Leiden und Müh-
sale. Flammend waren ihre Andacht und chre Liebe zum heiligsten
Altarssakrament. Da ward ganz vorzüglich erglüht ihr großer Ei-
fer für die Beketirung der Sünder, die sie ohne Unterlaß dem Herrn
empfahl, den sie oft und unter Thränen beschwor, die verirrten
Schafe in die Hürde zurückzuführen. Auch ihre Mitschwestern for-
derte sie aus, mit ihr zu bethen für das Heil dieser perirrten See-
len, und für das Wohl der Diener des Allerhöchsten, welche an der
Bekehrung und Heiligung der Völker arbeiten. Tausend Leben hätte
sie für die Rettung einer einzigen Seele hingegeben, so sehr war sie
ergriffen von dem Schrecken der Verdammung, welcher die Sünder
zueilen. In der heftigen Sehnsucht nach der Anschauung Gottes,
dem einzigen Gegenstande ihrer Liebe, duldete sie ein wahres Mar-
terthum.
Nachdem Theresia viele Jahre an ihrer eigenen Heiligung ge-
arbeitet, und hierin eine Stufe erreicht hatte, welche nur Wenige
erringen, konnte sie dem Verlangen, für das Heil Anderer zu wir-
ken, nicht länger mehr widerstehen. Ihr erster Gedanke war, ih-
ren Orden zu reformiren, in dessen ursprüngliche, vvn dem Patriar-
chen Albrecht zu Jerusalem im Jahre 120.) verfaßte, Regel, eine
große Erschlaffung eingetreten war. Ihr Vorhaben, dessen Ausfüh-
rung Jesus selbst in einem Gesichte ihr aufgetragen haben soll, und
zu dem ihre Nichte, Maria von Campe, ihr tausend Dukaten an-
bot, wurde von dem heiligen Petrus von Alcantara, von dem heili-
gen Ludwig von Bertrand, und von dem Diöcesan-Bischöfe gut gehei-
ßen; außer diesen aber allgemein so sehr mißbilliget, daß der Car-
meliten-Provinzial die dazu schon gegebene Erlaubniß zurückzuneh-
men sich genöthiget sah. Ermuntert von dcm berühmten Dominika-
ner Vvagncz, ließ sie im Jahre 1562 von dem Gemahle ihrer
Schwester zu Avila ein Haus bauen. Jedermann glaubte, daß er's
für sich selbst thue. Während des Baues stürzte eine Mauer zu-
sammen. Der jüngste Sohn von Theresiens Schwager wurde todt
unter dem Schütte hervorgezogen, aber durch ihr Gebeth wieder in's
Leben gerufen. Das Haus ward vollendet, und am Feste des hei-
ligen Bartholomäus 1562 von Theresia, ohne daß bis daher Je-
mand etwas davon geahnet hätte, feierlich bezogen, in der Absicht,
allda die erste Genoffenschaft zur Beobachtung der Ordensregel nach
ihrer ursprünglichen Strenge, zu sammeln, wozu sie kurz vorher von
dem kirchlichen Oberhaupte die Bewilligung erlangt hatte. — Die-
ser Schritt verursachte in ihrem Kloster, in das sie auf Befehl ihrer
Oberin wieder zurückkehrte, und in der Stadt großes Aufsehen, vie-
les Gerede, und von mehreren Seiten sehr ernsten Widerspruch.
Die Heilige vertheidigte sich mit solcher Sanftmuth und Stärke,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen