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Am 15. Dk:ober. 729
und diese unwürdige Sünderin, die dem Tode nahet, nicht zum Mu-
ster nehmet. Denket vielmehr an die Verzeihung, um die sie euch
bittet." Die Schwestern, weil in Thränen zerfließend, vermochten
kaum einige Worte zu erwiedern. Am 3. Oktober fühlte sie sich
schwächer, und begehrte die heiligen Sakramente. Sobald sie die
heilige Wegzehrung erblickte, schienen ihre Kräfte neu belebt; ihr
Angesicht erglühte, und die Flamme ihres Glaubens funkelte in ih-
ren Augen. Sie wandte sich gegen ihren Heiland, und als sie auf
ihren Bethstuhl niedcrkniete, um ihn mit desto größerer Ehrerbietung
zu empfangen, ricf sie im heiligen Entzücken aus: „ O , mein Herr
und mein Bräutigam, so ist sie herbcigcnaht die Stunde, die so
feurig ersehnte Stunde! Ich bin dem Augenblick meiner Erlösung
nahe; Dein Wille geschehe!" Gegen neun Uhr Abends verlangte
sie die letzte Oelung, die sie mit der zärtlichsten Andacht empfing.
Kurz nachher fragte sie der Pater Anton, ob sie in ihrem Kloster
zu Auila begraben zu werden wünsche? Darauf antwortete sie:
„Wie! ist denn noch etwas auf der Welt, was mir angehört? und
wird man mir hier ein wenig Erde versagen?" Je mehr ihre Kraft
sie verließ, desto höher stieg ihre Andachtsglut. Oft hörte man sie
die Worte wiederholen: „Ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz
wirst du, o Gott, nicht verwerfen!" bis sie die Sprache verlor.
Die Schmerzen ihres letzten Kampfes dauerten bis zum Morgen des
andern Tages. Endlich unterlag sie der Schwache, neigte das
Haupt auf den Arm der Schwester Anna, und blieb ganz ruhig in
dieser Lage bis Abends neun Uhr, mit, auf ein Kruzifix, das sie in
den Händen hielt, gehefteten Augen. Der Schlaf der Gerechten
krönte ihre Arbeiten und Tugenden in der Nacht vom 4. auf den
5. Oktober. Weil in eben dieser Nacht zehn Tage aus dem Kalender
gestrichen wurden, steht ihr Sterbetag auf den 15. Oktober. Der
Leichnam der heiligen Theresia wurde im untern Chor der Carmeli-
ten zu Alba beerdiget; im Jahre 1585 in ihr Kloster zu Avila
übersetzt; aber schon im daraus folgenden Jahre, auf Verwendung
der herzoglichen Familie von Alba, an die erste Ruhestätte wieder
zurückgebracht. Er ward lange hernach noch ganz unversehrt ge-
funden.
Die Hciligspn'chungsaktcn der Dienerin Gottes enthalten Nach-
richten von mehreren, durch die Verehrung ihrer Reliquien und ihre
Fürbitte, gewirkten Wunder.
Es sind mehrere Schriften der heiligen Theresia, zumal viele
Briesv, auf uns gekommen, die alle voll des heiligen Eifers und der
zärtlichsten Liebe sind. In Allem spricht sich ihre ruhige, demüthige
und lautere Scclc ans; aber auch ein hoher Ernst und eine edle
Freimüthigkeit, mit denen sie selbst Bischöfen und andern Großen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen