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Der heilige Aloisius,
N o v i z d e r G e s e l l s c h a f t J e s u .
(Am 21. Juni.)
Der heilige Aloisius stammte aus dein berühmten Geschlechte
der Gonzaga ab, und war im dritten Grade verwandt mit dem
Herzoge von Mantua. Eein Vater war Ferdinand Gonzaga, Fürst
und Markgraf von Lastiglione in I lal ien, seine Mutter Martha
Tana Santena, Tochter Tana Eautcnas, Herrn von Chcry in Pic.
mont. Ferdinand war Feldherr des Königs Philipp l l . von Spa:
nien, und Martha Ehrendame der Königin IsabeUa, als sie sich zu
Madrid vermahlten. Bald nach der Vermählung zogen sie nach
(iastiglione, wo ihr erster Sohn Aloisius geboren wurde am 9. März
!,)<»>!. Die fromme Mutter leitete frühe das holde Kind durch
N.rte und Beispiele zur Liebe Gottes, und siöstte ihm jenen Eifer
zum Gebethe ein, von dem sie selbst beseelt war. Aloisius war
erst vier Jahre alt, als ihn die Wartemmen manchmal, wenn sie
ihn aus den Augen verloren hatten, m einem Winkel, knieend im
Gebethe fanden. Der Vater unterstützte das gottselige Bemühen
seinem guten Gattin; denn auch er war ein christlicher Mann. Ne-
benbei verschaffte er dem kleinen Aloisius, als Spielzeug, Verschiß
denc kleine Waffen, weil er ihn einst als Kriegshelden glänzen sehen
w,'llte. Er ließ es sich auch nicht wehven, den Knaben mit sich
nach Nasale zu nehmen, wo er auf des Königs von Spanien das
gegen Tunis bestimmte italienische Heer mustern mußte. Ungemeine
Freud.' machte es ihm, den kleinen Helden mit einer kleinen Lanze
vor dcn Reihen cinherschreiten zu sehen. Aloisius blieb einige Mo:
n^te im Lager, und da war es, wo er im Unverstände einen Feh:
ler beging, und einen andern sich angewöhnte, die er nachher bis
zu seinem Tode bereute. Der muntere Knabe ergötzte sich sehr,
wenn Kanonen abgefeuert wurden. Er bekam Lust, auch einen Ver-
such zu machen; entwendete heimlich den Soldaten Pulver, lud, so
gut cr's konnte, eine Kanone, und feuerte sie ab; allein bald wäre
cr von dem zurückprellenden Rathe zerquetscht worden. Er ward
»on nun an dem Soldatenstande abgeneigt, und pries in der Folge
sehr oft die Güte Gottes, der cr die Erhaltung seines Lebens ver-
dankte. Ein zweiter Fehler war für sein Herz viel gefährlicher.
Er lernte und gewöhnte sich zum Theile auch unreine und zweideu-
tige Reden an, die er von den Soldaten vielfältig hörte, und die,
wenn er sie nachsprach, von ihnen belacht wurden.
Markgraf Ferdinand zog mit sei mm Heere gegen Tunis, und
Aloisius kam wieder nach Hause. Mit Staunen und Schrecken hör-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen