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Am 21. Juni. 747
Thorheiten, von denen die Menschen sich fesseln lassen. Am Hofe
zu Turin hatte ein siebcnzigjähriger, sehr vornehmer Mann die Ver-
wegenheit, in einer Gesellschaft, in der, nebst vielen andern adeligen
Jünglingen auch Aloisius sich befand, unreine Reden auszusprechen.
Dieser, erglüht von heiligem Eifer, verwies dem grauen Lüstling
seine Frechheit, entfernte sich darauf von der Gesellschaft, und las
in einem geistlichen Buche. Zu Lherium, bei seiner Mutter Bru:
der, wollte man ihn zum Tanze zwingen. Auch da machte er sich
eilends davon, und sein Oheim fand ihn nach langem Suchen in
einer Ecke der Bcdientenkammcr, zwischen einer Bettlade und der
Wand, im Gebethe. Auf gleiche Weise bewies er sich aller Orten
als ein treuer jünger Jesu.
Nachdem die Prinzen einen großen Theil des nördlichen I ta:
licns durchreiset hatten, kamen sie nach Castiglione zurück. So we-
nig, als der Sohn, hatte der Vater seine Gesinnung geändert, viel-
mehr stellte dieser die angesehensten Manner an, den Aloisius dem
geistlichen Stande abgeneigt zu machen, oder doch zu bereden, daß
er nicht in den Jesuitenorden trete, indem er nie zu hohen kirchli-
chen Würden gelangen könne. Allein, auf alle derlei Vorstellungen
erwiderte der standhafte Jüngling: „Ich habe mir fest vorgenom-
men , hier auf Erden alle meine Würden in Gott zu suchen, und
außer ihm Nichts zu besitzen." Nach mehreren schweren Kämpfen,
die er noch bestehen mußte, nach vielen heißen Gebethen und harten
Abtödtungcn, die er in dieser Absicht vollzog, erlangte er endlich die
Zustimmung seines Vaters, der nun selbst nach Rom schrieb, und
seinen Vetter Scipio Gonzaga bat, er möchte dem Ordensgeneral
Claudius Aquavitca feinen Aloisius für den Orden anbieten, und zu-
gleich ersuchen, daß man ihm ein Prüfungshaus bestimme. Es
wurde beschlossen, daß Aloisius als Noviz der Gesellschaft Jesu in
das Prüfungshaus zu Rom eintreten solle.
Die Freude des Jünglings war unbeschreiblich. Allein er
mußte noch eine Probe seiner Geduld aushalten; indem der wirkliche
Eintritt in das Noviziat noch über Ein Jahr verzögert wurde, weil
die Genehmigung des Kaisers für die Abtretung der Erstgeburtsrechte
an den Bruder Rudolph erholt werden mußte, und weil der kranke
Vater ihn nach Mailand schickte in wichtigen Geschäften, die Aloi-
sius mit eben so großem Eifer, als vieler Geschicklichkcit schlichtete.
In Mailand unterließ er so wenig, als anderswo die geistlichen Ue-
bungen, und verwendete die Zeit, die seine Geschäfte ihm übrig lie-
ßen, zum Studium der Mathematik und der Physik.
Der zweite November 1585 war endlich der heiß ersehnte Tag,
an welchem Aloisius zu Mantua, in Gegenwart seiner Eltern, und
der vornehmsten Fürsten des gonzagischen Hauses, — so hatte es
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen