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748 Der heilige Aloisius :c.
der Kaiser, als oberster Lchenherr bestimmt, — seiner ganzen Erb:
schaft, und allen Ansprüchen auf Familien: und Lehenherrschaften
feierlich entsagte. Diese ganze Handlung war überaus rührend.
Der Vater zerfloß in Thränen; die Gesichter der Andern drückten
theils Bedauern, theils Verwunderung aus; Aloisius allein stand da
mit einem Blicke voll Heiterkeit, that mit dcr größten Seelenruhe
Verzicht auf Alles, und verfügte sich, so bald es geschehen war, in
sein Zimmer, Gott zu preisen. Entlediget von allem Irdischen,
konnte er nun mit Petrus sagen: „Sieh, Herr! ich habe Alles ver-
lassen, und bin dir nachgefolgt/- Dieser Tag war der freudigste
seines Lebens, und er versicherte nachher, daß er Gottes Gegenwart
nie so nahe gefühlt habe, als in dem glücklichen Augenblicke, in
dem er sich alles Irdischen entlediget hatte. Am Abende erschien er
im Ordensgcwande an der Tafel. Alle Anwesenden staunten, und
der Vater vergoß bei dem unerwarteten Anblicke Thränen. Aloisius
aber sprach jetzt mit solcher Wärme von dcr Vergänglichkeit des Ir-
dischen und von den Gefahren der Welt, daß Alle sehr erbaut wur-
den, und seine Worte nie vergaßen. Am andern Morgen nahn, cr
Abschied von dem Herzog von Mantua, und schon am zweiten Tage
trat er, von seinen Eltern unter vielen Thränen gesegnet, die Reise
nach Rom an. Sein Bruder Rudolph begleitete ihn bis an den
Po, wo Aloisius von ihm den zärtlichsten Abschied nahm, und dann
mit seiner Begleitung den Fluß übersetzte. In dem Schiffe sprach
ein vornehmer Herr: „ Ihr Bruder mag doch wohl recht froh seyn,
daß cr so zur Herrschaft gelangt ist." »Ich," erwiederte Aloisius,
„bin gewiß noch froher, ihrer los zu seyn, als cr es seyn kann, sie
bekommen zu haben." Auf der Reise bethete cr täglich mit dem
frommen Priester Ludwig von Latane die kirchlichen Tagzeiten, und
die Reisegebcthe. Er wollte sich keine Gemächlichkeit gestatten, und
nur aus Gehorsam gegen Ludwig mäßigte er seine Bußübunqen.
Zu Loretto verweilte er einen Tag, den er beinahe ganz in glühen-
der Andacht zubrachte. Einem Diener trug er auf, ihn, wenn er
Abends eine Stunde gebethet habe, zu erinnern. Einmal vergaß es
der Diener, und fand den heiligen Jüngling noch um Mitternacht
in tiefer Betrachtung vor einem Bilde des Gekreuzigten. In Rom
angelangt, begab er sich sogleich in das Collegium der Jesuiten,
und bot sich dem Ordensgeneral in tiefer Demuth als seinen Sobn
dar, und trat, nachdem er zuvor dem Papste seine Verehrung be:
wiesen, und von ihm den apostolischen Segen empfangen hatte, am
2 ' . November 1585), noch nicht volle achtzehn Jahre alt, in das
Noviziat. Bei dem Abschiede von seinen Begleitern gab er diesen
verschiedene Aufträge und Denksprüche an die Teinigen mit. Sei-
nem Bruder Rudolph ließ er sagen: „Wer Gott fürchtet, der wird
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen