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752 Der heilige Aloisius:c.
Bruder, der kein erbauliches Leben führte, zu cincm dcffern Wandel
zu bewegen.
Am 25. November 1589 reiftte er, auf Anordnung seiner
Obern, nach Mailand, und kehrte im Februar des folgenden Jahres
nach Castiglionc wieder zurück, wo er, den Bitten seiner Mutter
nachgebend, öffentlich predigte. Die salbungsvolle Predigt machte
so großen Eindruck, daß viele Hunderte der Zuhörer am nächsten
Sonntage, auf den eben die Fastnacht fiel, die heiligen Sacramente
empfingen. Er kehrte nach Mailand zurück, und ward am Anfange
des Monat Mai von den Obern wieder nach Rom berufe», wo er
bei seiner Ankunft zu seinem Freunde Ccparius sagte: „Wohlan, ich
habe meine Todten begraben, und mich ihrer Sorgc ganz entfchla-
gen; es ist nun Zeit, daß ich mich zum andern Leben anschicke."
Seines baldigen Endes versichert, widmete er täglich noch eine be-
sondere Stunde oer Lesung geistlicher Bücher. Iemehr sein Körper
hinwelkte, desto schöner blühte seine innere Heiterkeit, desto heller
leuchtete die Liebe Gottes aus seinem ganzen Benehmen hervor.
Im Jahre 1591 entstand in Italien eine große Hnngersnoth,
und auf sie folgten ansteckende Krankheiten. In Rom wurden nach
und nach alle Spitaler mit Kranken, und alle Straßen mit Armen
angefüllt. Die Jesuiten nahmen sich der Unglücklichen mit thätiger
Liebe an. Aloisius hörte nicht aus zu bitten, bis ihm bewilliget
wurde, in den Spitälern Dienste zu thun. Viele starben im Dienste
heiliger Liebe, und endlich ward auch er von der Seuche angesteckt.
Am 2. März mußte er sich legen. Die Krankheit nahm schon in
den ersten sieben Tagen so sehr zu, daß man sein nahes Ende be-
fürchtete. Darüber war er sehr erfreut, empfing mit glühender An-
dacht die heiligen Sc-ramentc, und bereitete sich zum Tode. In
einem Briefe an seine Mutter drückte er auf eine rührende Weise
das heiße Verlangen aus, bald in den Kreis der Engel und Heili-
gen, zur Anschauung Gottes zu gelangen. Länger, als man glaubte,
sollte er seinen Brüdern zum Vorbilde hoher Geduld seyn. Drei
Monate lag er trank, als Muster für alle Kranke, ohne sich je über
die großen Schmerzen, die er litt, zu beklagen; wohl aber beschwerte
er sich oft darüber, daß man ihm zu viel Dienste erweise. Fort:
während war sein Geist mit Gott beschäftiget im Gebethe, oder in
stiller Betrachtung, oder in frommen Gesprächen, die er mit Andern
führte. AIs die Aerzte erklärten, daß er kaum noch acht Tage le-
ben werde, ward er so erfreut, daß er einem eben kommenden
Freunde zurief: „Weißt du auch, welche erfreuliche Nachricht ich er-
hielt? Binnen acht Tagen soll ich sterben! O hilf mir doch, Gott
loben und preisen für diese Wohlthat, und sprich mit mir das Te
Deum!" Ein alter kranker Pater ruhte nicht, bis er zum heiligen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen