Seite - (000761) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000761) -
Text der Seite - (000761) -
Am 26. Mai. 759
Entschlüsse, die Bruderschaft der allcrheiligstcn Dreifaltigkeit in Rom
zu begründen. Im Jahre 15^8 legte er in der Kirche von St.
Salvator del Campo, den Grund zu diesem frommen Vereine. Im
ersten Anfange schon verbanden sich mit ihm vierzig Personen zu
dem edlen Zwecke, die Kranke», die Pilger und die Armen, welche
keine Zufluchtsstätte hatten, aufzunehmen, zu verpflegen und zu un-
terrichten. Im Jahre 1550 versetzte er die Bruderschaft in die
Kirche der heiligen Dreifaltigkeit, und errichtete ein neues Spital,
welches jctzt noch sehr blühend ist. Außerdem kam er auch den Un-
glücklichen der Stadt zu Hilfe. Er wollte einst heimlich ein Almo-
sen geben, und wählte dazu, um nicht entdeckt zu werden, eine
dunkle Nacht. Da siel er in einen tiefen Graben, blieb aber ganz
unbeschädigt. Er hielt an seine Pfleglinge fromme Predigten, ver-
anstaltete geistliche Unterredungen, kräftigte dadurch mächtig die Gu-
ten, und bekehrte viele Sünder.
Sein Beichtvater, der fromme Persiano Rosa, bewog ihn, dem
geistlichen Stande sich zu widmen; er empfing daher, sechs und
dreißig Jahre alt, im Juni 1551 die Priesterweihe, und gesellte sich
der Genoffenschaft der Priester vom heiligen Hieronymus bei, welche
im Rufe großer Tugenden standen. Zum erstenmale, und in der
Folge immer, entrichtete er das hochheilige Opfer mit erglühter Un-
dacht. Oft ward er während desselben außerordentlicher Tröstungen
gewürdiget, und in den Zustand gänzlicher Verzückung versetzt; da-
her er nicht selten zwei Stunden Messe las. Won seiner Bußstrenge
ließ er etwas nach, um seinen Körper nicht zu sehr zu schwächen.
Des Morgens genoß er ein kleines Mahl, und Abends zwei Eier,
oder eine Suppe, oder Gemüse. Sehr selten aß er Fleisch oder
Fische, außer bei Fremden, wo er nahm, was ihm vorgesetzt wurde.
Das Zimmer, welches er bewohnte, war klein, und ärmlich einge-
richtet. Sein ganzes Streben ging nach größerer Vollkommenheit
in der Liebe zu Gott. Die Obern übertrugen dem heiligen Philip-
pus das Amt eines Beichtvaters, das er eben so unermüdct, als
segensvoll verwaltete. Viele kamen auch außer dem Beichtstuhle zu
ihm, in der Angelegenheit des Gewissens sich Raths zu erholen.
Jeden Tag ertheilte er leicht faßliche Unterrichte, welche schöne Früchte
hervorbrachten.
Es fehlte indessen nicht an niedrigen Menschen, die von argem
Neide gegen die glänzenden Tugenden und das segcnsvolle Wirken
des Heiligen sich entflammen ließen. Sie tadelten sein Messclesen,
machten seine andern Handlungen lächerlich, und erkühnten sich end-
lich , seine Ehre durch Verlaumdung zu untergraben. Er duldete
diese Prüfung mit Ergebung, und, ohne sich zu beklagen, oder zu
rechtfertigen, freute er sich in seiner tiefen Demuth, der Gegenstand
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen