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Am 26. Mai. 761
er, je etwas von ihren Beichtkindern anzunehmen, „denn," sprach
er, „es ist unmöglich, daß man mit ihren Gütern zugleich auch
ihre Eeelcn gewinnet- Er stand in großer Verehrung bei den
Päpsten Pius IV., Pius V., Gregor XI I I . , Gregor XIV. , Cle-
mens VI I I . , und vorzugsweise bei dem heiligen Carolus Bor:
romäus.
Der Heilige war von schwächlichem Körperbau, und es ver-
ging kein Jahr, wo er nicht von Ficbcranfällen heimgesucht wurde.
Von einem soll er auf wunderbare Weist genesen seyn, und wäh-
rend desselben ci»c Erscheinung der göttlichen Mutter, die er mit
kindlicher Zärtlichkeit verehrte, gehabt haben. Dieß wurde nach sei-
nem Tode von vier Aerzten, denen cr's geoffenbarct hatte, eidlich
bezeugt. Immer war er auf dem Krankenlager ein Vorbild uner-
müdlicher Geoulo, und vollkommener Ergebung. Oft rief er: „Herr,
vermehre meine Schmerzen, wenn du nur eben so meine Geduld
vermehrest!" Im Jahre 1595 mußte er den ganzen Monat April
auf dem Schmcrzenbette zubringen. Mit Anfang des Mai stellte
sich Blutspeien ein, das seinem Leben Gefahr drohte. Er empfing
von Baronius die letzte Oclung, und als das Bluten nachließ, von
dem Cardinal Friedrich Borromäus die heilige Wegzehrung. Als er
diesen mit dem heiligsten Sacramente erblickte, rief er unter einem
Thränenguß: .,Sieh da, meine Liebe! meine Liebe kommt zu mir!
Er, der die einzige Wonne meiner Seele ist. Gebt mir, o gebt
mir schnell meine Liebe!" ^iach dem «Herr, ich bin nicht wür:
dig :c." sagte er: „Nein, mein Gott, ich bin nicht, und war nie
würdig, mit deinem anbethungswurdigsien Fleische genährt zu wer-
den/' und alb er Vie heilige Communion empfangen hatte, sprach
er: „ In die Wohnung meiner Seele habe ich oensenigen aufgenom-
men, der mein Arzt ist." — Nach einigen Tagen schien er wieder
hergestellt. Er konnte Messe lesen, und Beicht hören. Allein diese
Genesung dauerte nicht lange. Er soll Einigen, die es nachher eid:
lich bezeugten, die Stunde seines Todes vorgesagt haben. Am Tage
seines Hinschcidens zählte er alle Stunden, sich nach seiner Auflö-
sung sehnend. Es erfolgte ein neues Blutspeieu; Baronius bethete
ihm die Sterbegebethe vor, und während derselben verschied er am
26. Mai 1595 -—- achtzig Jahre alt. Sein Leichnam wurde in
der Kirche der Oratorianer beigesetzt, und später in die prächtige
Rapellc gebracht, welche ein fiorentinischcr Edelmann aus der Fami-
lie Neri in derselben hatte erbauen lassen. Es werden verschiedene
Wunder bezeugt, welche Gott bei der Leiche, und beim Grabe seines
Dieners geschehen ließ.
Im Jahre 1622 wurde Philippus Neri von Papst Gregor XV.
unter die Zahl der Heiligen gesetzt.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen