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Am 26. August. 773
sie harrcte aber aus in jeder Prüfung, und freute sich dann wieder
desto größeren Trostes. Won körperlichen Leiden wurde sie ebenfalls
vielfältig und hart gequält. Diese waren ihr immer ein willkomme-
ner Anlaß, einigermaßen ähnlich zu werden ihrem über Alles gelieb-
ten Heilande, durch unerschütterliche Geduld und vollkommene Erge-
bung in den Willen des himmlischen Vaters. Alle Leiden, die kör-
perlichen, wie die geistigen waren der Glutofen, aus dem ihr Geist
rein, wie siebenfach geläutertes Gold hervorging. Erglüht war stets
ihre Andacht zu dem leidenden Erlöser; zärtlich ihre Verehrung ge-
gen die göttliche Mutter, und insbesondere auch gegen die heilige
Katharina von Sicna. Durch den bloßen Anblick eines Kruzifixes,
eines Bildes der Muttergottcs, oder der heiligen Katharina, wurde
ihr Herz entflammt in heiliger Liebe, und ihr Auge erfüllt mit Thrä-
nen zärtlicher Rührung. In dem Genusse des Fleisches und Blutes
Jesu Christi fand Rosa die höchste Kräftigung ihres Geistes. Im-
mer strahlte ihr Angesicht bei dem Genusse desselben vor himmlischer
Freude, und ward übergössen vom Feuer brünstiger Liebe. Ihre
Verehrung gegen das hochheiligste Sacramcnt war so groß, daß,
als man die Entehrung desselben von den Calvinisten befürchtete,
sie sich anschickte, mit Blut und Leben einen so fürchterlichen Greuel
zu verwehren, und nachher es schmerzlich bedauerte, daß sie
das Opfer des Lebens für den Gottmenschcn nicht hatte bringen
können.
Drei Jahre vor ihrem Tode ward die heilige Rosa von einer
tödtlichcn Krankheit befallen. Jedermann erwartete ihr Ende; sie
allein versicherte, daß dasselbe so nahe noch nicht sey. Seit dieser
Zeit hatte sie fortwährend die peinlichsten körperlichen Leiden durch
anhaltende Gicht zu erdulden. Unerschütterlich blieb aber ihre Ge-
duld, und ihre vollkommene Ergebung; und wundervoll waren die
Begnadigungen, mit denen Gott seine ausharrende Dienerin er-
quickte. Endlich fühlte sie ihr nahes Ende, empfing mit erglühter
Inbrunst die heiligen Sacramentc der Sterbenden, wobei sie das
katholische Glaubensbekenntniß ablegte, und jeden Menschen, den sie
in ihrem Leben beleidiget haben sollte, um Gottcswillen um Verge-
bung bat, und auch ihrerseits alle Beleidiger der vollkommensten
Vergebung versicherte. Nachdem sie von ihren Eltern den Segen
erbeten, und ihren Geschwistern noch die letzten heilsamen Ermah-
nungen gegeben hatte, sprach sie den Namen Jesus aus, und gab
sanft und ruhig ihren Geist in die Hände des Schöpfers zurück —
in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1617, im zwei und dreißig-
sten Jahre ihres Alters. Ihre Leiche wurde in der Dominikaner-
kirche zu Lima mit großer Feierlichkeit, unter dem Zulaufe einer un-
zähligen Volksmenge, beerdiget.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen