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Am 29. Jänner. 781
Die Landvogtey Ger war in einem Friedensschlüsse von Sa-
voyen an Frankreich abgetreten worden. Der ^eilige unternahm
daher im Jahre 1(>l)2 eine Reise an den französischen Hof, um
vom Könige die Erlaubniß zu erwirken, an der Bekehrung des Vol-
kes dieses Landes von dem calvinischen Irrthume zu arbeiten. In
Frankreich wurden ihm allenthalben, zumal in Paris, Beweise gro-
ßer Ehrerbietung gegeben. Er hielt zu Fontainebleau in der könig-
lichen Hofkapclle die Fastenpredigten, die mit unbeschreiblicher Freude
gehört wurden, und große Bekehrungen bewirkten. Die wichtigste
davon war die der Gräfin von Pcrdcieuville, welche mit ihrer gan-
zen Familie der calvinischen Irrlehre entsagte, und durch ihr Bei-
spiel viele Andere zu gleichem Schritte vermochte. Der Kö-
nig Heinrich IV. zog ihn öfters in Gewiffenssachen zu i>athe,
wünschte ihn auf immer in Frankreich zu behalten, und trug ihm
deßhalb das erste erledigte Bisthum an. Der Heilige schlug es
ad^r aus, wcil er von Gott zu jenem von Genf berufen zu seyn
glaubte, und mit den geringen Einkünften desselben vollkommen zu-
finden war. Durch die vertrauensvolle Auszeichnung, die er am
Hofe genoß, ward der Neid gegen ihn erregt, der beim Könige ihn
als Ausspäher des Herzogs von Savoyen angab. Allein Heinrich
ließ sich nicht täuschen, sondern setzte nur desto größeres Vertrauen
in den Diener Gottes, welcher den Anschlägen seiner Feinde die voll-
kommenste Ruhe entgegensetzte.
Nachdem Franziskus seine Geschäfte in Frankreich beendiget
hatte, trat er nach neun Monaten die Rückreise an. Auf dem Wege
erhielt er die Nachricht von dem Tode des würdigen Bischofes von
Genf, Claudius von Granicr. Diese bestimmte ihn, auf dem Schlöffe
Sales zu verweilen, wcil er da die bischöfliche Weihe empfangen
wollte. Zwanzig Tage bereitete er sich in stiller Eingezogenheit,
die er mit einer allgemeinen Beicht anfing, zu derselben vor. Wäh-
rend dieser Geistcsversammlung entwarf er sich den Lebensplan, den
er künftig befolgen wollte, und bis zu seinem Tode auch wirklich
befolgte. Er versprach Gott, nie schimmerndes Gewand von Cam-
melot und Seide zu tragen, sondern allzeit, wie vor seiner Erhe-
bung zur bischöflichen Würde, mit Wolle sich zu kleiden, in seinem
Hause keine prächtigen Geräthschaften zu dulden, und nur geistliche
Gemälde aufzuhängen, nie Wagen oder Sänfte zu halten, sondern
zu Fuß sein Bisthum zu bereisen. Seine Hausgenossen setzte er
auf zwei Priester herab, von denen der Eine sein Almosenpsieger,
u»2 der Andere der Aufseher über die nöthige Bedienung seyn sollte.
Er machte es sich zum Gesetze, nur gemeines Fleisch auf seinem
Tische zu haben, wenn nicht Personen von Rang bei ihm speiseten.
Er verpflichtete sich, allen Andachten, die in der Stadt gehalten
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen