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Am 29. Jänner. 785
annehmen, unter dem Vorwande, daß er sie, weil er diese ganze
Zeit abwesend gewesen sey, nicht verdient habe, und ließ die Summe
seiner Kathedralkirche zustellen. Seinen Feinden und Verleumdern
setzte der Heilige nur Sanftmut!) und Wohllhun entgegen, und da-
durch gewann er ihre Herzen. Ein Mann, dem durch die Vorkeh:
rungen des Bischofs seine Buhlerin entrissen ward, streute die scham-
loseste Verleumdung gegen diesen aus, und gab ihr Glaubwürdig-
keit durch einen Brief, den dcr B,schof, dessen Schriftzüge vollkom-
men nachgeahmt waren, an eben diese Buhlerin geschrieben haben
sollte. Mit der Ehre des Bischofes war auch die der Klosterfrauen
von der Heimsuchung auf das Tiefste gekränkt, und er, wie sie, als
schändliche Heuchler bezeichnet. Der fromme Obcrhirt schwieg, und
überließ Gott die Rechtfertigung der Unschuld. Nach zwei Jahren
kam der alte Verleumder auf das Todbett, bekannte seinen Frevel,
und widerrief die Verleumdung.
Die körperliche Schwäche des heiligen Franz von Sales nahm
zu, und als er im Jahre 1622 zu dem Herzoge von Savoyen, auf
dessen Verlangen, von Ävignon reiste, bemerkte er seinen Freunden,
daß er sie nicht mehr sehen werde. Von Avignon mußte er dein
französischen Hofe und dem Herzoge nach Lyon folgen. Iemchr
ihm aller ^)rten Ehrenbezeugungen bewiesen wurden, desto eifriger
war er bemüht, denselben auszuweichen. Er predigte noch am hei-
ligen Weihnachtsfeste; aber schon am folgenden Tage zeigten sich
alle Merkmale eines Schlagsiusses. Er ließ sich die heilige Oelung
geben, und dachte nun an nichts mehr, als an die Vorbereitung
zum Tode. Die heilige Communion empfing er nicht, weil er sich
öfters erbrechen mußte. Man legte ihm Zugpflaster auf, und be-
rührte seinen Nacken und sein Haupt mit glÄhendem Eisen. Wäh-
rend dieser schmerzlichen Behandlung wiederholte er oft die Worte:
„Wasche mich, o Herr! von meinen Sünden; nimm von mir meine
Missethat; reinige mich immer mehr und mehr! Was soll ich hier,
o mein Gott! entfernt, getrennt von dir?" Dann sprach er zu den
Umstehenden, die in Thränen zustoßen: „Weinet nicht, meine Kin-
der! Muß nicht der Wille Gottes erfüllt werden?« Da ihn Je-
mand ermähnte, mit dem heiligen Martinus zu sagen: „Herr, wenn
ich noch deinem Volke nothwendig bin, so weigere ich mich der Ar-
beit nicht;« schien cr empfindlich darüber, daß man ihn mit einem
so großen Heiligen vergleiche, und antwortete: „er sey ein unnützer
Diener, dessen weder Gott, noch sein Volk bedürfe/- Endlich ver-
lor er den Gebrauch der Sprache, und starb am 28. Dezember
1622 , um acht Uhr Abends, im sechs und fünfzigsten Jahre sei-
nes Lebens.
Zweiter Band, 50
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen