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Am 24. April. 795
ches Geschrei nahe dei der Kirche. Ein Muskctcnschuß tödtete die
Wache, und ein wüthender Rebell schoß auf den Prediger, der aber
von der Kugel nickt getroffen wurde. Alles eilte aus der Kirche.
Die Soldaten griffen nach ihren Gewehren; wurden aber bald von
den Rebellen the,ls gefangen, theils gctödtet. Der Kapitän Fels
war so glücklich, zu entkommen. Fidelis war mir noch allein in
der Kirche, verließ die Kanzel, knieete vor dem Altar, flehte mit
Inbrunst um Gnade und Slärkc in der nahen Todesstunde, ging
dann hinaus, u»d trat, als er keinen Soldaten mehr erblickte, den
Weg nach Grüsch an. Eine kurze Strecke hatte er denselben fort-
gesetzt , als zwanzig bewaffnete Bauern, wie wüthende Hunde auf
ihn losstürmen, mit Schimpfen, Lästerungen und Flüchen ihn über-
häuften, und mit wildem Geschrei verlangten, daß er seinen Glau:
ben abschwöre. Einer versetzte ihm mit dem Schwerte einen Schlag
auf den Kopf, dem aber der Heilige so ausbcugte, daß er nur eine
Wunde erhielt. Er sank unter den Worten: „Jesus, Maria, er:
barme dich meiner!" ohnmächtig auf den Boden, erholte sich aber
bald wieder, richtete sich auf seine Kniee auf, und flehte zu Gott
für seine Mörder, welche nun mit gleicher Wuth auf ihn hieben,
schlugen und stachen. Einer zerschmetterte mit einem Kolben den
linke» Theil seineS Hauptes. Mehr als zwanzig Stiche fanden sich
in seiner Brust; die Rippen der linken Seite waren beinahe alle
eingeschlagen, nur wenige Stellen fand man an seinem Leibe, die
nicht verwundet waren. So endete der fromme Diener Gotces Fi-
dclis am 24. April 1622, beiläufig um zehn Uhr Vormittags.
Der Aufruhr brach nun los. Die Rebellen erschlugen an diesem
Tage bei fünfhundert Katholiken. Auch Pater Johann ward durch
einen Stich in die Schulter schwer verwundet, von dem edlen Herrn
Abundius von SaliS, einem Rcformirten, den Händen der Mörder
entrissen, und nachher von seiner Wunde geheilt.
Die Leiche des heiligen Fioclis wurde zuerst auf Bitten des
Pater Johann von dem Meßner zu Scvis auf den dortigen Kirch-
hof, am Feste des heiligen Markus, eingcgraben, nach sechs Mona-
ten aber, am Feste des heiligen Lukas, wieder erhoben, das Haupt
und die linkc Hand in das Kapuzincrkloster zu Feldkirch, und der
ürrige Leib nach Chur gebracht, und mit großer Feierlichkeit beige-
setzt. Gott verherrlichte seinen Diener durch verschiedene Wunder;
wcßhalb derselbe von Benedikt XIV. im Jahre 1746 feierlich in
die Zahl der Heiligen gesetzt wurde. —
Für die frommen Verehrer des heiligen Märtyrers Fidelis mag
hier das schöne Gebeth stehen, welches die Kirche am Feste dessel-
ben in der heiligen Meffe bethen läßt: O Gott! der Du den mit
dem wahren Ordensgeist erfüllten seligen Fidelis in Verbreitung der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen