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798 Die heilige Johanna Franziska von Chantal :c.
ein Knabe, und drei Mädchen. Diese gut zu erziehen, war der Ge-
genstand ihrer sorgfältigste» Bemühung. Sie entwarf sich einen
neuen Ledensplan nach den Vorschriften, welche der heilige Paulus
und die Väter zur Heiligung der Wittwen aufgezeichnet haben.
Sie brachte einen Theil der Nacht im Gebethe zu, fastete viel
und strenge, vermehrte die Almosen, entäußere sich zum Besten
der Armen ihrer kostbaren Kleider, »nd verpflichtete sich, furderhin
keine andern, als von Wolle zu tragen. Sie entl,e,z reichlich be-
lohnt einen Theil ihrer Dienerschaft. Znrücka,e;oa,cn von der Welt,
theilte sie die Zeit zwischen Arbeit, Gebet!, uno Unterricht der H:n-
der. Ihr Eifer und ihre Begierde, mir allein dem Herrn anzuge-
hören, waren so groß, daß sie, wenn nicht die Miitterpslichten sie
zurückgehalten hätten, den Entschluß ausgeführt haben würde, in'o
heilige Land zu wallfahrten, uno dort in einer Einsamkeit ihr Leben
zu beschließen. Nach Umfluß der Trauerzeit begab sie sich zu ihrem
Vater nach Dijon, setzte aber auch die jetzige Lebensweise fort, und
nalnn deßhalb nur Besuche an von tugendhafte» und bejahrten
Frauen. Im folgenden Jahre mußte sie i» Familienangelegenheiten
mit ihre» Hindern zu ihrem Schwiegervater, dem alten Baron von
Lhantal nach Monthelon, im BiSthum Antun, sich begeben. Da
hatte sie von den saunen des alten Mannes viel zu erdulden. Sie
harrte aber aus in unermüdlicher Geduld, ohne eine Rlage von sich
hören, oder einige Unzufriedenheit bemerken zu lassen.
Im Jahre 1604 kam Johanna nach Dijon , den Franz von
Sales predige» zu hören. Sie wurde durch den Anblick des gro-
ßen Dieners Gottes sehr erbaut, und unterhielt sich mehrmal mit
ihm in dem Hause ihres Vaters, in welches er öfters kam. Sie
offenbarte ihm die Angelegenheiten ihrer Seele, und wählte ihn zum
Fül>rer auf der Bahn des geistlicken Lebens. Eic legte ihm eine
Beicht von ihrem ganzen Leben ab, und erlangte dadurch e!ne süße
Seelenruhe, die aber bald durch eine fürchterliche Trostlosigkeit, und
eine quälende Angst über ihr vergangenes Leben gestört wurde. Der
heilige Franz von Sales lehrte sie diese Prüfung benutzen, und es
folgte wieder Ruhe auf den Sturm. Er ordnete ihre Andachts-
übungen so, daß ihr Aeußcrcs von dem Willen der Andern, beson-
ders wenn sie bei ihrem Water oder ihrem Schwiegervater sich auf-
halte, abzuhängen scheine. Ihr Betragen gewann auf diese Weise
Jedermanns Beifall, und die mit ihr lebten, pflegten zu sagen:
„Die gnädige Frau betl>et bestandig! belästiget aber Niemand/-
Mit den Uebungen des Gebethes verband sie die Werke der Näch-
stenliebe. Sie besuchte die armen Kranken, und brachte ganze
Mchte bei den Sterbenden zu. Lange Zeit unterhielt sie eine arme,
mit Geschwüren bedeckte Frau, verband selbst ihre eckelhafte Wun-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen