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Am 25. September. 803
schluß, in den Mönchsstand zu treten, und hoffte in dem Orden der
Conventualcongregation des heiligen Franziskus durch Vermittlung
zweier Oheime, die in demselben sich befanden, die Aufnahme zu er-
halten. Allein diese Hoffnung tauschte ihn. Er wurde abgewiesen,
weil er keine wissenschaftliche Bildung empfangen h'atte. Darüber
sehr bestürzt, verfügte er sich ;u den Kapuzinern, wo er in einem
Kloster des Bisthumes Otranto die Aufnahme als Laienbruder er-
langte, und im August des Jahres 1620 den Habit, und mit die-
sem den Klostcrnamcn Stephan empfing. Aber nach wenigen Mo-
naten schon wurde er wieder entlassen, weil man ihn für untauglich
hielt zu den Klostergeschäften, — Einige sagten, wegen natürlicher
Augenschwäche, Andere, weil er in steter innerer Andacht seine Au-
gen fortwährend entweder zur Erde gesenkt, oder gen Himmel ge-
richtet habe. Ueberdas hatte sich an einem seiner Kniee eine be-
denkliche Geschwulst angesetzt, die er aber endlich selbst wegschnitt,
worauf schnelle Heilung erfolgte. Er getraute sich nicht zu seiner
strengen Mutter zurückzukehren, sondern verfügte sich nach Veteara
zu einem der oben erwähnten Oheime, welcher daselbst die Fasien-
predigten hielt. Dieser empfing ihn mit Widerwillen, erbarmte sich
aber doch Seiner, und behielt ihn bis nach Ostern bei sich, wo er
ihn insgeheim nach Cupertino zu seiner Mutter führte, bei der er
ebenfalls eine sehr unsanfte Ausnahme und viele Vorwürfe erfuhr.
Diese brachte es endlich durch Bitten und Thränen dahin, daß er
von den Franziskanern der Conventualcongregation irl das nahe ge-
legene Kloster della Grotella aufgenommen wurde. Mit großem
Eifer bestand er die Prüfungszeit, legte darauf die Gelübde ab, und
wurde als Laienbruder unter die Mitglieder des dritten Ordens auf-
genommen. Anfangs ward er zu den niedrigsten Hausarbeiten ver-
wendet, die er mit gewissenhafter Treue verrichtete. Er verdoppelte
seine Fasten und Bußwcrke, bethete unablässig, und schlief nur drei
Stunden. Seine Demuth, seine Milde und seine Liebe zur Abtöd-
tung erwarben ihm so große Verehrung, daß in dem zu Almatura
im Jahre 1625 gehaltenen Provinzialkapitel seine Aufnahme in den
Chor beschlossen wurde, damit er sich zum Empfang der heiligen
Weihen vorbereiten könne. In den Wissenschaften machte er sehr
geringe Fortschritte, desto größere hingegen auf der Bahn des geisti-
gen Lebens; weßhalb ihm im Jahre 1628 die Priesterweihe ertheilt
wurde. Das erste hochheilige Opfer entrichtete er mit unaussprech-
lichen Gefühlen des Glaubens, der Liebe und der Ehrfurcht. Er
wählte sich eine abgelegene, finstere Zelle; ging oft in die weniger
besuchten Bethhäuser, um ungestört der heiligen Betrachtung oblie-
gen zu können; bewies seinen Obern unbedingten Gehorsam, und
den Brüdern die demuthsvollste Liebe. Er gab Alles weg, was er
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen