Seite - (000810) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000810) -
Text der Seite - (000810) -
808 Der heilige Vincentius von Paulus, Priester.
ser Unglückliche hatte, um der Sklavenketten los zu werden, die
christliche Religion mit der mahumedanischen verwechselt, und tief im
heißen Lande am Gebirge von der Regierung ein Grundstück gepach-
tet. Eine vcm den drei Frauen, die er hatte, eine Türkin, kam
oft zu Vinccntius auf das Feld hinaus, wo er graben mußte. Ein-
mal verlangte sie von ihm, daß er zum Lobe seines Gottes singe.
Vinccntius that's in rührendem Gesänge, und die davon tief ergrif-
fene Türkin sagte am Abend ihrem Manne, daß er nicht gut gethan
habe, seine Religion zu verlassen. Die Rede des Weibes senkte ei-
nen heilsamen Stachel in das Herz des Renegaten. Vincentius
kräftigte durch heilsamen Zuspruch die Kraft desselben. Nach zehn
Monaten wagten sich Beide in einem kleinen Nachen auf das Meer,
landeten glücklich zu Aiguesmortes in Languedoc, und gingen von
dort nach Avignion, wo der in Thränen der Buße schwimmende
Renegat von dem päpstlichen Vicelegaten in die Gemeinschaft der
Heiligen wieder aufgenommen wurde.
Der Vicelegat führte den Vincentius mit sich nach Rom, hielt
ihn wie einen Sohn, und sorgte für alle seine Bedürfnisse. Der
junge Priester benutzte diesen Aufenthalt mit großem Eifer zur Ver-
vollkommnung seines Verstandes und seines Gemüthes. Der Vice-
legat machte ihn bekannt mit dem französischen Botschafter; und
dieser fand an ihm den Mann, durch den er dem Könige von Frank-
reich Mittheilungen machen zu können glaubte, die er dem Papier
nicht anvertrauen mochte. Durch diesen Anlaß kam Vincentius im
Jahre 1609 nach Paris. Heinrich IV. , auf den die bescheidene
Weisheit des Mannes einen sehr günstigen Eindruck machte, würde
ihn wohl gerne zu hohen Würden erhoben haben, wenn nicht dieser,
immer eingedenk seines heiligen Berufes, sich in Schatten gestellt
hätte. Vincentius nahm eine Wohnung in der Vorstadt St. Ger-
main , nahe bei dem Hospitale der barmherzigen Brüder. ,.)Er
war," sagt der berühmte Dufresne, „sehr demüthig, liebevoll und
weise; jedem that er wohl; war Niemanden zur Last; behutsam in
Worten; ein ruhiger Hörer, der die Reden Anderer nicht unterbrach,
und schon damals die armen Kranken sorgfältig besuchte, sie er-
mähnte und bediente. Bei ihm im Zimmer war sein Landsmann,
Richter von Sore. Diesem kam eine Summe Geldes weg. Er
verdächtigte den Vincentius, der aber versicherte, daß er von dem
Gelde nichrs wisse; 'nnd als jener ihm in Gegenwart Anderer den
Borwurf machte, daß er idn bcraubr habe, sprach er mit frommer
Ruhe: «Gott weiß die Wahrheit." Spater entdeckte sich der Dieb
seHst, und der Richter? von Sore bat auf die rührendste Weise den
Heiligen um Verzeihung.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen