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Am 6. April. 811
so lange sie diesem Geschäfte sich widmeten, kein Amt oder irgend
eine Pfründe annehmen. Sie sollten von den Einkünften der Stif-
tung leben; in Flecken und Dörfern katcchisiren; zur Ablegung all-
gemeiner Beichten ermuntern; Alten und Jungen die Wahrheiten
des Heils an's Hcrz legen; Alles umsonst thun, ohne irgend ein
Geschenk für die Gaben Gottes anzunehmen, welche sie umsonst em:
pfangen hatten. Die Gesellschaft bestand Anfangs nur aus drei
Priestern; ward aber bald durch die frömmsten und besten Männer
vermehrt; und als ihr gesegnetes Wirken sich offenbarte, wurden ihre
Dienste allenthalben verlangt. Zuerst bezogen sie in Paris das
Collegium der guten Kinder; nachher wurde ihnen aber, statt dieser
schlechten Wohnung, das schöne vor der Stadt liegende Haus St.
Lazarus, mit allen seinen Besitzungen eingeräumt. —- An keinem
Orte übten die Missionspriester ihr evangelisches Amt aus, ohne von
dem Bischof der betreffenden Diözese hiezu den Segen, und von
dem Pfarrer der Pfarrgcmeinde die Einwilligung erhalten zu haben.
Aller Orten, wo sie Eingang fanden, errichteten sie Schwesterschaf-
ten milder Frauen zur Pflege der Kranken, und Unterstützung der
Armen. Ihr einfacher, demuthsvoller Wandel wirkte nicht weniger,
als die Kraft der heiligen Lehre. An verschiedenen Orten Frank-
reichs und auch außer Frankreich, insbesondere zu Rom, wurden
Missionshäuser errichtet, die alle unter der weisen Leitung des from-
men Vincentius standen. Im Jahre 1L36 mußte der Heilige auf
Verlangen des Königs Ludwig XI I I . durch Priester seiner Genossen-
schaft Missionen beim Heere, und zwei Jahre darauf selbst am kö-
niglichen Hofe, halten laffen. Der Erfolg derselben übertraf alle
Erwartung. Mit ehrfurchtsvollem Staunen sah man die vom Geiste
ihres Vaters Vincentius beseelten Männer jetzt den rohen Kriegern,
und jetzt den verfeinerten Höflingen das Eine, was Noth ist, an's
Herz legen; jene mit sorgfältiger Liebe, selbst zur Zeit der Pest,
pflegen, und unter diesen in heiliger Demuth und strenger Selbst-
verlä'ugnung wandeln.
Seit der Zeit, als Vincentius zwei Jahre in der Barbarei,
als Gefangener, gewesen, lag ihm der Wunsch am Herzen, das
Elend der Christen, welche diesen Seeräubern in di« Hände fallen,
zu erleichtern, und für ihr Seelenheil, das auf mannigfaltige Weise
gefährdet war, zu sorgen. Er ordnete daher Missionspriester nach
Tunis und nach Algier ab, die den bedauerungswürdigen Christen-
sklaven als wahre Schutzengel sich bewiesen, und durch die Liebe,
mit der sie sich ihnen, auch zur Zeit der Pest, opferten, selbst die
Bewunderung der Ungläubigen erregten. Später ordnete Vincentius
Priester seines Ordens ab nach Ir land, Genua, Polen, Corsika,
Piemont, ja sogar nach Madagaskar, und in die hebridischen Ei-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen