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Am 6. April. 815
unterworfen, zumal einem seyr ost wiederkehrenden Fieber, das er
scherzend sein kleines Fieberchen zu nennen pflegte. Als er noch im
Hause Gondy lebte, blieb ihm nach einer schweren Krankheit eine
Geschwulst der Beine und Füße zunick, an der er bis zum Tode
oft und viel zu leiden hatte. In den letzten vier Lebensjahren
konnte er höchst mühsam nur noch am Stäbe, und endlich gar nur
an Krücken sich fortschleppen. Die peinlichen Schmerzen vermochten
jedoch nicht zu lahmen seine kräftige Thätigkeit, noch die Heiterkeit
seines Geistes zu trüden. Von seinem Krankenzimmer aus besorgte
er die Angelegenheiten seines Hauses, leitete er die Geschäfte der
Missionen, fährte er fort den Briefwechsel mit den Vorstehern der-
selben. Sein Kopf blied helle, sein Herz voll Liebe, bis jener sich
neigte, und dieses brach. Er klagte nie über seine Beschwerden.
Wenn plötzlich Sticke der Pein ihn durchdrangen, so sagte er mit
dem Ausdrucke herzlicher Geduld, und mit der Liebe, die ihn durch:
glülte: .,Ac!) mein Heiland! mein Heiland!" Seine täglichen An:
dachtsübungen setzte er bis zu seinem Tode fort. Wenige Tage vor
demselben ward er mehrmal von einem Schlafe überfallen, den er
alü Vorboten der nahenden Auflösung erkannte, und daher lächelnd
sagte: dem Schlafe werde bald der Bruder folgen.
Am 25. September 1660 gegen Mittag dauerte eine solche
Emschläfenmg langer als gewöhnlich; gleichwohl vermochte er noch
am folgenden Tage, der ein Sonntag war, die Messe zu hören,
und das hochheilige Sacrament zu empfangen, wie er täglich that,
seitdem er selbst nicht mehr Messe lesen konnte. Seine geistlichen
Kinder sahe» , daß er jeden Augenblick von Gott ^ n ? abgerufen
weiden; versammelten sich um ihn, und einer von den Missionarien
bat, im Namen Aller, ihn um seinen Segen. Mühsam richtete er
das Haupt auf, sah diesen freundlich an, vermochte einen Theil
des Segens laut auszusprcchen; das Uebrige sagte er leise, mit
kaum vernehmlicher Stimme. Am Abende empfing er die heilige
Oelung. Die Nacht brachte er größtentheilö in seliger Unterhal-
tung mit Gott zu; nur dann und wann sank er in Schlummer,
aus welchem jede Erwähnung des göttlichen Heilandes ihn weckte.
Am Morgen gegen fünf Uhr gab er seinen Geist auf, still erlö-
schend , wie ein ausgebranntes Licht — im fünf und achtzigsten
Jahre seines liebethätigcn, heiligen Wandels. Die Trauer über
seinen Verlust war eben so groß, als allgemein. Gott bekräftigte
seine Heiligkeit durch Wunder, die an seinem Grabe, und auf
seine Fürbitte geschahen; weßhalb sein Name von Clemens XI I .
im Jahre 1736 dem kirchlichen Heiligenverzeichnisse feierlich einver-
leibt wurde.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen