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in den ersten 70 Jahren:c. 7
Je mehr sich die christliche Religion verbreitete, desto mehr
that sie der Wolksreligion Abbruch; die Tempel der Gottheiten wur-
den weniger besucht, und die Opferthiere fanden immer weniger
Kaufer. Dadurch wurde dem Einkomme« der heidnischen Priester
viel entzogen, welche die Christen deßwegen mit bitterem Hasse ver:
folgten. Auch Künstler und Handwerksleute, die sonst aus dem
Auswande, den man in den Tempeln machte, viele Vortheile zogen,
litten Abbruch; daher wurden auch diese gegen die Christen sehr
aufgebracht. Die Christen lehrten, ihre Religion sey der einzige
Weg zur Seligkeit, und stellten den heidnischen Götzendienst als
unsinnige Thorheit dar; dadurch wurde auch vorzüglich das Volk
gegen die Anhänger Jesu und ihre Lehre sehr erbittert.
Anfänglich beschränkten sich die Verfolgungen, welche die Chri-
sten von den Heiden erdulden mußten, auf Verachtung und Lästerun-
gen, auf Aufruhr in einzelnen Orten, oder auf Mißhandlungen einzel-
ner Personen. Aber endlich traten auch die römischen Kaiser gegen das
Christenthum auf, und dadurch wurde zugleich der Verfolgungswuth
der Unterobrigkeiten, der Priester und des Volkes Thür und Thor
geöffnet. Der schwache Schutz, den die Christen bis daher durch
die Gesetze noch einigermassen genossen hatten, hörte auf, nnd die
kleine Heerde Christi stand nun recht, wie wehrlose Lammer unter
den reissenden Wölfen da. Der erste römische Kaiser, welcher eine
öffentliche Verfolgung gegen die Christen verfügte, war Nero .
Er bestieg als siebenzehnjährigcr Prinz den Thron, wurde in den
ersten fünf Jahren, in denen er sich in der Staatsregierung von
B u r r h u ö und S e n e k a leiten ließ, allgemein geliebt, und
von vielen als Muster eines guten Fürsten angesehen. Nun ge-
rieth er in die Schlinge eines lasterhaften Weibes, und es war
bald kein Laster mehr, welches er nicht auch selbst ohne Scheu ver-
übte.
Nachdem er seine Mutter, seine Gemahlin und seinen Lehr-
meister getödtet, und eine Schandthat auf die andere gehäuft hatte,
wurde er jetzt auch noch M o r d b r e n n e r . Er ließ im Jahre
64 am 9. Juli die Stadt R o m anzünden. Sechs Tage und sie-
ben Nächte dauerte der schreckliche Brand fort. Von 14 Abthei-
lungen, aus denen die Stadt Rom bestand, wurden 3 ganz in
Asche gelegt und vier blieben unversehrt, von den sieben übrigen
standen nach dem Brande nur wenige halbverbrannte Häuser da.
Zu dieser scheußlichen That verleitete den N e r o theils frevelnder
Muthwille, weil er nämlich ein Bild des Brandes von Troja se-
hen wollte, theis seine Ruhmbegierde, indem er entschlossen war,
die abgebrannte Stadt weit prachtiger wieder herzustellen und ihr
seinen Namen zu geben.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen