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III.
Die reinen Sitten der ersten Christen.
Die erste christliche Kirche sammelte sich aus Juden und Hei-
den. Weder diese noch jene hatten durch ihren Uebertritt zum Chri-
stenthum irdische Vortheile zu erwarten, vielmehr waren sie der bit-
tersten Verachtung und vielfältigen Leiden von Seite der Ihrigen
ausgesetzt. Nichts Anderes konnte sie demnach zur Annahme
der neuen Religion bewegen, als die feste Ueberzeugung
von der Wahrhe i t und Gött l ichkei t derselben. Sie
beseitigten alle irdischen Rücksichten, und folgten einzig der Erleuch-
tung und der Rührung der göttlichen Gnade. Erleuchtet vom himm-
lischen Lichte, erkannten sie die kostbare Perle, gaben alles daran,
sie zu erlangen, und wendeten alles an, die erlangte treu zu be-
wahren. Nach der Vorschrift der heil. Lehre heiligten sie ihren
Sinn, und ihren Wandel. Jesus hatte gesagt: „Ich gebe euch
ein neues Geboth, daß ihr einander liebet; daß wie ich euch ge-
liebt habe, auch ihr einander liebet; daraus wird Jedermann erkennen,
daß ihr mein Jünger seyd, wenn ihr einander liebet." Ioh. 13, 34.
Die Lebensweise der ersten Christen war der genaueste Ausdruck der
Erfüllung dieser göttlichen Lehre. Fern vom stolzen Gepränge und Ge-
räusche der Welt, lebten sie in Einfalt und Liebe, gut und rechtschaffen
nach der Lehre und nach dem Vorbilde Jesu und seiner heiligen Apo-
stel. Die Vorsteher der christlichen Gemeinden stellten allen übri-
gen Christen das herrlichste Muster der Demuth, der Standhaftig-
keit, der Mäßigung und jeder andern Gott gefälligen Tugend dar.
Die Christen im Allgemeinen waren ruhige Bürger des Staates,
gehorsam den heidnischen Obrigkeiten, und unterthänig selbst denen,
von denen sie verfolgt wurden. Sie nahmen an den Ausruhren,
welche die Juden gegen die Römer zu verschicdcnenmalen erregten,
keinen Antheil, und empörten sich auch in den Zeiten der schwersten
Verfolgungen nicht gegen die grausamen Abgötterer, ungeachtet die
immer wachsende Anzahl ihrer Mitglieder und verschiedene andere
Umstände sie das Uebergcwicht hoffen ließen. Selbst billig urthei-
lende Heiden konnten den Christen ein rühmliches Zeugniß nicht
versagen. Davon überzeugt uns der schon mehrmal angeführte Brief
des Plinius, in welchem bezeuget wird, daß die Christen sich eid-
lich mit einander verbinden, keine Laster zu begehen, sondern die-
selben abzulegen, sich keines Raubes, keines Diebstahls, keines Ehe-
bruches schuldig zu machen, die Treue nicht zu brechen, kein anver-
trautes Gut zu verläugnen u. s. w.
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen