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20 Die gottesdienstlichen Zusammenkünfte und Gebräuche
„ausgetheilt. Ehe man auseinander geht, geben die Vcrmöglicheren
,,cin freiwilliges Geschenk zum Besten der Armen und Gefangenen.
„Wir haben den Sonntag zu unserer Versammlung gewählt, weil
„dieß der erste Schöpfungstag und zugleich der Tag der Auferste-
„hung Jesu Christi unsers Herrn und Heilandes ist."
D ie Entr ichtung des hei l igen Opfe rs , der Em-
pfang des hei l igen Abendmahls , Lesung und Erk lä:
rung der hei l igen Schr i f ten, gemeinschaftl iches Ge-
beth und Werke der Liebe waren also die Thei le des
sonntägl ichen Gottesdienstes in der ersten christli-
chen Kirche. Zu diesem Gottesdienste kamen Alle ohne Unter-
schied, welche uicht durch Krankheit oder Gefängnisse, in denen
sie des Glaubens wegen lagen, gehindert waren. In den Tagen
der Verfolgung war der Besuch der christlichen Versammlung mit
den größten Beschwerden und nicht selten mit Gefahr des Lebens
verbunden; dessen ungeachtet war er gecade da am eifrigsten, weil
die Christen in den heiligen Geheimnissen und im Worte Gottes
Stärke für den bevorstehenden Glaubenskampf erlangten. — Keiner
erhob slch in der christlichen Versammlung über den Andern, keiner
wollte einen Vorzug haben vor dem Andern, und keiner begnügte sich
bloß mit einem Thei le des gemeinschaftlichen Gottesdienstes. Die
Anhörung des Wortes Gottes war einem jeden so wichtig als das
heilige Opfer, und a^ der Genuß des heil. Abendmahls, welches
bei jeder Zusammenkunft von Allen empfangen wurde. Während
der gottcsdienstlichen Versammlung herrschte die größte Stille und
ein gemeinsamer Geist der rührendsten Andacht. Neu gestärkt im
Glauben, befestiget in der Hoffnung und durchglüht von dem Feuer
der heiligen Liebe verließen die Christen die gottesdicnstliche Ver-
sammlung, mit der gegenseitige« Ermunterung, keine Laster zu be-
gehen, sondern fest zu halten an das Bekenntniß des Glaubens und
an die Vorschriften der christlichen Lehre.
In den ersten christlichen Zeiten dürfte der Sonntag noch nicht
als ein Tag der Ruhe von den zeitlichen Berufsgeschäften gehalten
werden. Hätten sie ihre Berufsgeschäfte unterlassen, so würden sie
des sträflichen Müssigganges beschuldiget worden seyn, und dieß hätte
dann ohne Zweifel einen neuen Grund noch schwererer Verfolgung
gegeben. Die gottesdicnstlichen Zusammenkünfte wurden daher, wie
wir aus dem Schreiben des Plinius wissen, am frühesten Morgen,
vor Sonnenaufgang, gehalten, damit sie von den Heiden weniger
bemerkt würden, und damit die Christen zur rechten Zeit ihren öf-
fentlichen Berufsgcschäftcn wieder obliegen könnten. Erst im 4ten
Jahrhundert wurde der Sonntag auch zum Tag der Ruhe bestimmt,
wovon wir in der Folge noch reden werden.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen