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3L Zweck des in der katholischen Kirche
In wie ferne das Fasten der Sinnlichkeit wehe thut, ist es
auch ein schickliches Bußmittcl für die Sünden, deren Quelle ja
eben die unbczähmte Sinnlichkeit ist. Für ein solches Bußmittel
wurde es in der katholischen Kirche seit allen Jahrhunderten ange:
sehen; daher nach dem Geiste unserer heiligen Kirche die Zeiten des
Fastens immer auch die Zeiten der Buße seyn sollen. An den
vorgeschriebenen Fasttagen weisen die besondern kirchlichen Gebräuche
immer auch auf die Buße hin.
Das Fasten ist endlich ein vortreffliches Uebungsmittcl im
Kampfe gegen die ausschweifenden sinnlichen Neigungen und Be-
gierden, die wir in unserm Ningen nach Tugend und nach wahrer,
christlicher Vollkommenheit fortwahrend bestreitcn müssen. Wenn
der Apostel Petrus zum Kampfe gegen das Böse auffordert, so
empfiehlt er nebst der Wachsamkeit auch die Nüchternheit: „Brüder!
Seyd nüchtern und wachet, weil euer Gegner, der Teufel, wie ein brül
lcnder Löwe umhergeht, und suchet, wen er verschlinge." l. Pet. 5, 8.
Nebst diesen allgemeinen hat jede Fastenzeit nach dem Geiste
und Willen der katholischen Kirche noch ihre besonderen Absichten.
Durch die vicrzigtägige Fasten vor Ostern sollen wir dem
göttlichen Heilande nachahmen, der bei Gebeth und Betrachtung
vierzig Tage in der Wüste gefastet hat. Vielfältiges und ernstliches
Nachdenken über das Geschäft unsers Seelenheils, aufrichtige Er-'
forschung unsers ganzen Lebenswandels, redlicher Bußeifer und auf:
richtige Rückkehr von unsern Sünden und Thorheiten zu Gott und
zur Tugend, Aussöhnung mit unsern Beleidigern, und Gutmachung
dessen, was wir durch unsere Ncrrirungen den Mitmenschen und uns
selbst an der Seele, am Leibe, an der Ehre und an den zeitlichen
Gütern geschadet haben, angestrengte Uebung in Bezähmung unse:
rer sinnlichen Begierden, und in Ausreutung der sündhaften Ne>:
gungen, Uebung in den Werken der christlichen Liebe und Barm-
Herzigkeit, der Andacht und Gottesfurcht, Reinigung unserel,°'2eele
durch das Sakrament der Buße, und Stärkung derselben durch das
Sakrament des Altars, sollen uns in dieser Fastenzeit vorzüglich
beschäftigen, damit wir rein seyen, das hohe Fest der Anferstclning
würdig zu feiern, und die Urstände des Herrn durch unsere Aufer:
stchung aus dem Grabe der Sünde zu verherrlichen.
Alle kirchliche Gebräuche, welche in der Fastenzeit vorkommen,
zielen darauf hin, uns zu solchen Gesinnungen und Uebungen zu
ermuntern, und vorzüglich den Geist der Buße in uns zu erwecken.
Während der ganzen Fastenzeit, die Festtage ausgenommen, bleibt
die Kirche in der blauen Farbe, welche die Farbe der Trauer und
der Buße ist. Sie unterläßt die festliche Musik, den Freudenge.-
sang der Engel, „( i lur iä in Lxcelzis," den Lobgesang „"le
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen