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angeordneten Fastens. 39
vor andern wecken, enthaltet. Das Erstere wird der Abbruch,
das letztere die Entha l tung genannt.
In den ersten beiden, und wahrscheinlich auch noch im gan,
zen dritten Jahrhunderte, war nur die erste Art zu fasten üblich,
ohne daß noch ein Unterschied der Speisen gemacht wurde. Man
enthielt sich an den Fasttagen ganz von al ler Speise, entwe-
der bis zur Vollendung der gemeinschaftlichen Gottesverehrung, oder
bis 3 Uhr Nachmittags. In der Woche vor Ostern haben die mei-
sten Christen von der dritten Nachmittagsstunde des Charfreitags
bis an den Morgen des Osterfestes gar keine Speise zu sich ge-
nommen. Dieses erhellet aus den oben schon angesührteu Zeugniffen.
Der Schwärmer Montan und seine Schüler wollten sich, wie
in andern Strcngheiten, so auch in strengerem Fasten auszeichnen.
Sie aßen bis zum Untergange der Sonne nicht, und machten auch
schon einen Unterschied der Speisen, die sie sich an den Fasttagen
zu essen erlaubten. Allein die Sonderbarkeiten und Strengheiten
wurden von den rechtgläubigen Bischöfen verworfen. Hieronimus
erklärt sich noch im 5ten Iarhunderte wider die Fasten der Mon-
tanisten in einem Briefe an die Marzclla.
Der Gebrauch, sich an den Fastagcn von gewissen Speisen
zu enthalten, entstand im vierten Jahrhunderte zuerst bei den Ein-
siedlern und Mönchen, und scheint von diesen zu den übrigen Chri-
sten gekommen zu seyn. Er war bei verschiedenen sehr verschieden,
und wurde durch m-hrere Jahrhunderte weder durch Uebung, noch
durch Vorschriften gleichförmig und allgemein. Epiphanius sagt
im Anhange, den er seinem Werke von den Ketzereien beigefügt
hat: ,,Einige essen von vierfüßigen Thieren sowohl, als von Vö-
geln und Fischen kein Fleisch, sie enthalten sich auch der Eier und
des Käses. Manche vermeiden nur die vierfüßigen Thiere, essen
aber Vögel und Anderes; Andere genießen auch keine Vögel, aber
Eier und Fische; noch Andere enthalten sich auch der Eier. Es
gibt wieder einige, welche keinen Fisch essen aber Käse genießen;
Andere entziehen sich auch diesen. Einige nehmen kein Brod zu sich.
Einige enthalten sich der Baumfrüchte und alles Gekochten." Mit
diesem stimmt überein das oben aus Sokrates angeführte Zeugniß.
Der heilige Augustin und andere Schriftsteller des 4ten und 5ten
Jahrhunderts reden oft davon, daß sich die Fastenden des Fleisches
und des Weine^ enthalten.
Im Jahre 633 verordnete eine Kirchenvcrsammlung zu Toledo
in Spanien: „ I n den vierzig und andern Fasttagen soll man nur
„Gartengewächse und Fische, aber kein anderes Fleisch und keinen
„Wein genießen." Zu Ende des 8ten Jahrhunderts hat der Bischof
zu Orleans Theodulfus seine Untergebenen ermahnet, sie sollten
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen