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angeordneten Fastms. 41
in der 64 Rede: „Wenn wir uns mit Nutzen von den Speisen
„enthalten wollen, sollen wir uns vor Allem vom Unrechte eichalten.
„Was nützet es wenn man vom Fasten bleich wird, aber sich durch
„Haß und Neid entzünden laßt? Was nutzet es, wenn man kein
„Fleisch, das zum Essen erschaffen ist, berührt, aber sich durch böse
„Reden an seinem Mitmenschen vergreift'?" In der Rede auf die
Oktav des Osterfestes sagt der nämliche Kirchenvater: „Es zeigen
„sich einige in Beobachtung der vierzigtägigen Fasten mehr lcckerhaft,
„als fromm, indem sie sich mehr darum bekümmmern, wie sie im:
„mer neue Leckerbissen erhalten, als wie sie schon alte, und cingc:
„wurzelte, sündhafte Neigungen ausreutcn, welche durch die verschie-
densten und kostspieligsten Frückte ihren Gaumen befriedigen. Die
,,Geschirre, in welchen Fleisch gekocht wurde, verabscheuen sie als un-
„rein; aber über die Schwelgcrei ihres eigenen Fleisches, des Bau:
„ches und des Gaumes schaudern sie nicht zurück."
In den Fastenzeiten soll der Lhrist in ernster Stille in sich
selbst zur heilsamen Betrachtung und zur Gesinnung der Buße von
dem zerstreuenden Geräusche der Welt zurücktreten, daher waren in
denselben schon von den ältesten Zeiten her Lustbarkeiten, Gasige-
böthe und Hochzeiten untersagt, wovon uns der Loder des Theodo-
sius und sehr viele Zeugnisse der heiligen Kirchenväter versichern.
In der vierzigtägigcn Fasten wurden vor Altem oie Neulinge
unterrichtet, und zur Taufe vorbereitet, die Büßer zur Erkenntniß
und Ablegung der Sünden erwecket, und alle Christen durch das
Andenken an das Leiden des Herrn, und durch die Hoffnung des
feierlichen Genusses des heiligen Abendmahls auf Ostern in guten
Gesinnungen gestartet.
Alte, schwächliche, kranke und solche Menschen, welche schwere
Arbeiten vorrichten müssen, waren schon in der alten Kirche von der
Verpflichtung des körperlichen Fastens losgesagt, und außer diesen
sind es heut zu Tage auch die schwangern und säugenden Mütter.
Schön sagt der heilige Chrisostomus in der Idten Homilie über
das erste Buch Moses: „Wenn du aus Leibesschwachheit den ganzen
„Tag nicht nüchtern zubringen kannst, wird dich deßwegen kein Ver-
„ständiger tadeln; wir haben ja einen gütigen und liebreichen Herrn;
„er fordert nichts, was unsere Kräfte übersteigt." Der Kirchenrath
von Toledo, welcher im Jahre 653 gehalten wurde, sagt im 9ten
Kanon: „Wer immer ohne offenbare Nothwendigkeit, Gebrechlichkeit
„und Schwachheit, oder durch das Alter entstehende Unmöglichkeit
„zur Zeit der vierzigtägigen Fasten Fleisch zu essen wagen würde,
„würde sich nicht nur an der Auferstehung des Herrn versündigen,
„sondern müßte auch von der heiligen Kommuuion desselben Tages
„ferne seyn."
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen