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in der ersten christlichen Kirche. 4,'
sich gefallen lassen mußte, sehr geringe sind, so muß er sich um so
mehr beeifern, diese geringern Bußwerke mit dem größten Eifer zu
erfüllen, überdieß durch Werke der Liebe der Barmherzigkeit, der
Selbstverläugnung und der Abtödtung seine aufrichtige Vußgesinnung
zeigen, und die Beschwerden die ihm auf dem Wege der Bes-
serung treffen, so wie die täglichen Leiden und Widerwärtigkeiten
im Geiste wahrer Buße mit verdoppelter Geduld auf sich
nehmen.
Die Sünde ist jetzt nicht wen'ger Sünde, als sie es in den
ersten christlichen Zeiten war, und Gott ist und bleibt in jeder Zeit
der Allgerechte. Wir haben nicht einen andern Gott, nicht eine
andere Seele, nicht andere Pflichten, und nicht einen andern Weg
in den Himmel, als unsere ersten Glaubensbrüder; also auch an
uns muß die Sünde gestraft werden, auch von uns muß der Ge-
rechtigkeit Gottes genug geschehen, wir müssen der beleidigten Tu:
gend die Ehre wieder geben, wenn wir uns der Aussöhnung mit
Gott und der wirklichen Christengemeinschaft, nicht bloß dem Leibe,
sondern auch dem Geiste nach erfreuen wollen.
So lange wir noch zögern, die allseitigen Uebel, die wir
durch unsere sündhaften Vergehungen an uns selbst und an unsern
Mitmenschen angerichtet haben, aufzuheben, so lange wir also nicht
mit unsern Feinden uns aussöhnen, das fremde Gut bis auf den
letzten Heller ersetzen, die geschmälerte oder geraubte Ehre zurückge-
ben, die angestifteten Aergernisse, so viel es möglich ist, nach Kräften
wieder gut machen; so lange mangelt uns die wahre Bußgesin-
nung, und wir beruhigen uns vergeblich mit dev Lossprechung, die
uns der Priester im Namen Gottes ertheilt. Wir täuschen selbst
unsere Seele mit einem falschen Frieden, mit einer höchst gefähr-
lichen Ruhe.
Das Sakrament der Buße ist die erfreulichste und tröstlichste
Anstalt in der Kirche Jesu Christi, aber nur dem heilsam, bei wel-
chem die Gesinnung des Herzens mit dem äußerlichen Bekenntnisse,
und mit dem wörtlichen Ausdrucke der Reue und des Vorsatzes
übereinstimmt.
Der geringe und zum Theil ganz erloschene Bußeifer unserer
Tage wird durch den Eifer der ersten Christen tief beschämt. Die
Büßer der ersten Kirche weinten über ihre Sünden, und hielten
das Laster für Schande, und unsere Sünder rühmen und freuen
sich nicht selten desselben. Jene wurden durch ihre Fehler gedemüc
thiget, diese bleiben stolz. Jene unterwarfen sich der Kirche, und
diese sind es, welche die Kirche und alle Religion verachten. Jene
baten flehentlich um Buße, und diesen muß sie aufgedrungen wer-
den. Gott straft die verdorbene Welt fürchterlich, und kaum wol-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen