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in der christlichen Kirche. 69
der egyptischen Wüste, unter denen späterhin sehr berühmt wur-
den Ammon und Isidorus. Sowohl durch diese Zeugen aus der
Einöde, als auch durch das, was Athanasius von Antonius, von
Pachomius, von andern Jungfrauen und von Wittwen erzählte,
die sich mit vollkommener Entsagung aller zeitlichen Verhältnisse
zu gemeinschaftlichem Dienste Gottes verbanden, ward die Aufmerk-
samkeit des Abendlandes zuerst auf diese Weise, Gott zu dienen,
gerichtet. Da indessen die heilige Marcclla, eine junge Wittwe,
Freundin d^. heiligen Hieronimcs, die erste war, welche zu Rom
das Leben der gottgeweihten Jungfrauen und Wittwen Egyptens
nachahmte, Vorsteherin verschiedener Jungfrauen ward, die mit
ihr gleiche Lebensweise führten, und erst im Jahre 410 starb, so
mögen nach diesem Aufenthalt des heiligen Athanasius zu Rom
noch verschiedene Jahre verstrichen seyn, ehe ein Nonnenkloster in
Rom und im ganzen Abendlandc überhaupt gewesen; obgleich
von apostolischen Zeiten her im Abendlande, wie im Morgenland«
Personen beiderlei Geschlechts gewesen, welche, allem Zeitlichen
entsagend, in jungfräulicher Enthaltung sich dem Dienste Gottes
auf vorzügliche Weise widmeten.
Großen und mannigfaltigen Einfluß haben die Ordcnsgesell-
schaften in die kirchlichen, ja sogar in die weltlichen Angelegenhei:
ten überhaupt gehabt. Will man nicht auf die frevelhafteste Weise
der Wahrheit widersprechen, so muß man bekennen, daß in allen
Zeiten herrliche Muster reiner Gottseligkeit, und heiliger Vollkom-
menheit unter den Einsiedlern sowohl, als unter den Ordcnslcuten
geleuchtet haben; daß in den Klöstern Wissenschaften und Künste
sehr eifrig gepflegt, durch sie mächtig befördert, und in dunkler
Zeit, wo die Pftege derselben fast allgemein vcrnachläßiget ward,
zum größten Segen der gesammtcn Menschheit erhalten worden
seyen; daß viele Provinzen dem heiligen Eifer gottseliger Ordens-
männer das Licht des Evangeliums und ihrer thätigen Arbeitsam-
keit die erste Cultur zu verdanken haben. Aus mehreren Hei-
ligen-Geschichten überzeugen wir uns, daß es fromme Kloster-
männer waren, welche namentlich unser deutsches Vaterland
den Gräueln des Heidenthums und dem Zustande wilder Bar-
barei entrissen haben. Nur der sträflichste Undank der Nach-
welt kann verkennen den segensvollen Einfluß, den die Klöster
in mannigfaltiger Hinsicht für das Wohl der Menschheit hatten.
Geläugnct kann indessen auch nicht werden, daß es den Kloster-
einrichtungcn wie allen andern menschlichen Einrichtungen ergangen
sey, daß sich in verschiedenen Zeiten verschiedene mitunter sehr
große Mißbrauche in Vensellfen eingcfundcn haben, und daß manche
unwürdige Ordensgliedcr der Welt zu eben so gegründetem, als
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen