Seite - (000916) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000916) -
Text der Seite - (000916) -
82 Von den Engeln und Engelfesten
wollte, diesem Wundcrmanne eine herrliche Grabstätte zu errichten,
und seinem Körper göttliche Ehre zu erweisen. Bei dieser Gefahr
des Volkes Gottes leitete der heil. Michael die Sache so, daß Mo.-
ses Grabstätte den Israeliten ganz unbekannt und verborgen blieb.
Im lOten Kapitel des Propheten Daniel, wo von der Befreiung
der Isracliten aus der Gefangenschaft die Rede ist, wird der heil.
Michael der erste unter den Himmelsfürsten genannt. Gott hat
die Verehrung desselben durch viele Wunderwerke und Erscheinungen
unter den Christen verbreitet. Von ihm sagt die Kirche in den Tag-
zeiten : „Das ist der Erzengel Michael, der Fürst des englischen
,,Heeres, dessen Verehrung den Völkern Wohlthaten spendet, und
„dessen Fürbitte in den Himmel führet."
Da die Engel gute, selige Geister sind, die mit uns in Gemeinschaft
stehen, und wünschen und arbeiten, daß alle Menschen gut, tugendhaft
und dadurch selig werden, so verdienten sie allerdings unsere Vereh:
rung. Kann uns Gott durch diese höhere Geister Hilfe senden, wa-
rum sollten wir ihm nicht darum bitten dürfen, und wenn wir die
guten Gesinnungen dieser seligen Geister gegen uns, ihr Vergnügen
an Verbreitung der Wahrheit und Tugend bedenken, sollte es un-
erlaubt seyn, auch uns an sie zu wenden, ihre Unterstützung zu
erflehen, ohne ihnen darum Allwissenheit, oder Allmacht zuzuschrei-
ben? „Wenn wir die Natur, Heiligkeit und Geschäfte der Engel
betrachten," sagt ein Schriftsteller, ,,so zweifeln wir gar nicht da:
,ran, daß es schicklich und erlaubt sey, diese seligen Geister auf
,eine fromme Weise zu verehren, und ihre Beihilfe und Fürbitte an:
, zustehen. Denn, wenn wir es nicht für abergläubisch halten, da
,wir einem uns gleichen Menschen ähnliche Ehre erweisen, so wird
,es auch nicht fehlerhast und Gott entehrend seyn, wenn wir uns
, gegen einen seligern, und heiligern Geist auf gleiche Art betragen.
,Nur muffen wir dabei die Bescheidenheit und Mässigung gebrau:
,chen, daß wir immer alles das Gute, welches wir erhalten, Gott
, zuschreiben, und nicht von den Engeln, sondern von Gott die
,erwünschten Wohlthaten erwarten, auch dabei andere Hilfsmittel,
, die von einem zuverlässigern Nutzen sind, nicht versäumen."
Ganz gegen den Geist des Christenthums wäre es aber, wenn
man dafür hielte, der Christ muffe nothwendiger Weise sich zuerst
zu den Engeln, und dann bloß durch sie zu Gott werden. Da-
gegen streitet Paulus geradezu (Koloss. 1, 18.) „Es betrüge euch
„keiner, sich nicht an das Haupt zu halten, durch welchcs das
„ganze Gebäude Zusammenhang und Festigkeit erhält." Eben so
ist nicht zu billigen jene Verehrung der Engel, bei der man sich
bei geistlichen, und zeitlichen Nöthen eher zehnmal an einen Schutz:
engel wendet, als an Gott, oder jenes schwärmerische und falsche
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen