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Das Fest aller Heiligen. 87
gen, welche die Christen in den ersten drei Jahrhunderten von Ju-
den und Heiden erdulden mußten, haben vielen Gelegenheit gege-
ben, bei ausgesuchten Qualen, und im härtesten Tode Muth und
Heiterkeit zu zeigen. Dadurch wurde die Wahrheit der christ-
lichen Religion bestättiget, und der Eifer für den Glauben und
für die Tugend belebt. Die Christen bewunderten die Standhaf-
tigkeit der Märtyrer, und erwiesen diesen Heiligen vorzügliche Ehre.
Sie brachten ihre Leiber in eine anständige Begräbniß, nannten
den Tag ihres Todes ihren Geburtstag, weil sie durch den Tod
zum ewigen Leben geboren wurden, und bcgiengen ihn jährlich
durch ein freudiges Andenken. Sie kamen an dem Iahrtag ihres
Todes bei ihrem Grabe, oder an einem andern Versammlungsorte
zusammen, hörten die Geschicke ihrer Leiden und ihres Todes vor-
lesen, dankten Gott, daß er ihnen so viel Muth gegeben hatte,
und bathen um eben diese Standhaftigkeit im Christenthum. Sie
genossen auch das heilige Abendmahl, und verbanden sich auf's
festeste, Jesum und seine Religion durch Wort und Werk uner-
schütterlich zu bekennen. Sie theilten Hilfsbedürftigen mit, und
vereinigten sich zu Gesinnungen und Thaten der Liebe. Im Briefe,
in welchem die Kirche zu Smyrna den Tod ihres Bischofs, des
heiligen Märtyrers Polykarps im Jahre 169 andern Christen be-
kannt macht, sagt sie: ,,Wir können Christum nie verlassen, können
„nie statt seiner einen, andern verehren. Ihn bethen wir an, weil
„er der Sohn Gottes ist; die Märtyrer lieben wir als Schüler
„und Nachahmer des Herrn. Sie zeigten ja eine ungemeine Zu-
„neigung gegen ihren König und Lehrer. Möchten doch auch wir
„ihre Mitschüler und ihre Mitgenofsen werden! Wir haben seine,
„des heiligen Polykarps, Gebeine, welche uns werther sind, als
„Edelgestein und Gold, gesammelt, und an einem anständigen Orte
„beerdiget. An diesem werden wir, will's Gott, zusammenkom-
„men, und den Gedächtnißtag seines Leidens und Todes freudig
„begehen. Es soll das Andenken derer, welche ihren Streit be-
„reits vollendet haben, gehalten, und der Muth der Nachkommen
„erwecket und gestärket werden." In den ächttn Nachrichten über
den heiligen Ignatius heißt es: „Wi r haben euch den Tag,
„an welchem der heilige Bischof Ignatius hingerichtet wurde, an-
„ gezeigt. Wir wollen uns an dem Gedächtnißtag seiner Marter
„versammeln, sein Leiden und seinen Kampf beherzigen, und bei
„dem Andenken an ihn, unsern Herrn Jesum Christum verherrli-
„chen." Gegen das Ende des zweiten Jahrhunderts, und im
dritten besuchte man diejenigen, welche des christlichen Bekenntnisses
wegen in Fesseln lagen, in den Gefängnissen, pflegte sie, küßte
ihre Ketten, schrieb ihre merkwürdigen Reden auf, und ließ ihre
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen