Seite - (000926) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000926) -
Text der Seite - (000926) -
95 Das Fest aller Heiligen.
aller Heiligen die Verehrung sämmtlicher Auserwählcen, die zur be-
seligenden Anschauung Gottes gelangt sind, zum Zwecke.
Die Heiligen verehren wir auf eine würdige Weise dadurch,
daß wir von ihnen gut denken, und redn, ihre Tugenden und
Verdienste anerkennen, uns über ihre Standhaftigkeit im thätigen
Glauben, und über die Krone des ewigen Lebens erfreuen, die ihnen
Gott zur Belohnung in dem Himmel aufsetzte, und daß wir ihre
Tugenden nachahmen. Dabei dürfen wir sie um ihre Fürbite an:
rufen, und erwarten, daß unser liebevolles Vertrauen nicht frucht-
los bleibe. Das letzte und höchste Ziel aller Heiligen-Verehrung
muß seyn, Lobpreisung Gottes für die Gnade, die er ihnen gege-
ben zum glücklichen Kampfe, und für die herrliche Sicgeskrone, die
er ihnen ertheilt hat.
Anbethung gebührt Gott allein. Dieser Pflicht widerspricht
aber die bei den Katholiken übliche Heiligen-Verehrung nicht, weil
zwischen Anbethung und Verehrung ein wesentlicher Unterschied ist.
Beide, die Verehrung sowohl, als die Anbethung, setzen zwar in
ihrem Gegenstande gewisse gute Eigenschaften und Vorzüge voraus,
die wir anerkennen, und wegen welchen wir ihm auch unsere Ach-
tung erweisen. Allein den Gegenstand der Anbcthung denken wir
uns als ein Wesen, welches alle Vollkommenheit im höchsten Grade
besitzt, dessen Herrschaft sich über alle Dinge erstrecket, von welchem
der ganze Mensch und alles abhangt: darum erweisen wir ihm die
höchste Ehrfurcht, ein uneingeschränktes Vertrauen, eine- unbekrä'nzte
Liebe, oder mit einem Worte — A n b e t h u n g . Die Gegen-
stände unserer Verehrung, nämlich die Heiligen, denken wir uns
von beschränkten Eigenschaften und Vollkommenheiten, die sie noch
dazu von Gott haben, und nicht aus sich selbst, und die noch dazu
immer vollkommener werden können. Sie verdienen zwar Achtung,
Zutrauen, Liebe, aber nur in einem eingeschränkten, u»d endlichen,
unvollkommenen Grade. Es kann keinem Christen einfallen, die
Heiligen zu Gottes Majestät zu erheben, und ihnen göttliche Ehre
zu erweisen. Der Unterschied zwischen Anbethung und Verehrung
ist eben so groß, als der Unterschied zwischen dem Unendlichen und
Endlichen, zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpfe, zwischen
Gott und dem Menschen ist. Die äußerlichen Zeichen der Anbs:
thung und der Verehrung hängen ab von der Sitte der Zeit, welche
durch öffentliches, oder stillschweigendes Ucbercinkommniß der Men-
schen, oder durch Anordnungen bestimmt wird. Sie können nach
Zeit und Ort verschieden seyn. Die Hauptsache beruht immer avf
der Richtung des Herzens.
Die ächte christliche Verehrung der Heiligen ist Anbetyung
Gottes, indem sie zum höchsten Zwecke hat, die schuldige höchste
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen