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Auf den Tag aller Seelen. 105
sind, und bat, es möchte ihnen die Darbringung des gegenwär-
tigen Opfers zur Erquickung dienen. In den ältesten auf uns
gekommenen Kirchenbüchern sind auch Messen für die Gestorbenen
enthalten.
Aus diesen angeführten Zeugnissen des Alterthums, welchen
noch viel mehrere beigefügt werden könnten, wird außer allen
Zweifel gesetzt, daß seit den ersten Zeiten des Christenthums Ge-
dächtnisse der Verstorbenen begangen, für die Seelen der Verstor-
benen gebethet, das heilige Opfer dargebracht, und Werke der
Barmherzigkeit und der Liebe geübt worden seyen.
Im achten Jahrhundert haben die Klöster St. Gallen und
Au eine Verbrüderung unter einander eingegangen, und sich das
wechselseitige Gebeth für ihre Gestorbenen zugesichert. Es wurde
auch festgesetzt.- „ I n jedem Jahre soll um den 13tcn November
das jährliche Andenken an alle Gestorbenen begangen werden."
Der heilige Bischof Damiani, welcher im Jahre 1072 starb,
schreibt in der Lebensgeschichte des Odilo, der nach dem Anfange
des eilften Jahrhunderts gestorben ist: „Der ehrwürdige Vater
„Odilo, Abt zu Clugni, Vorsteher mehrerer Klöster in Frankreich,
„hat in allen seinen Klöstern durch eine allgemeine Verordnung fest-
„gesetzt, es soll, wie am ersten November nach der Vorschrift der
,,verchrungswücdigcn Kirche die Feierlichkeit aller Heiligen gehalten
„wird, am Tage darauf das Andenken aller in dem Herrn ruheu-
„den Personen mit Psalmen und Almosen, und vorzüglich mit Hal-
„tung der Messen begangen werden." Im cilften, zwölften und
dreizehnten Jahrhunderte hat sich von diesen Klöstern der Tag aller
Seelen auf andere Orte, und nach und nach in alle Kirchen ver-
breitet, bis endlich der 2te November von dem römischen Pabstc
der ganzen Christenheit als Gedächtnißtag der Verstorbenen vor-
geschrieben wurde.
An diesem Tage wird das heilige Meßopfer an einem schmuck-
losen Altare, dessen Bilder entweder mit einem schwarzen Vorhange
bedeckt, oder mit.solchen Vorstellungen, die uns an den Tod und
an die Verwesung erinnern, verwechselt sind, in schwarzer Farbe
gehalten. Der Eingang zur Messe fangt an, wie an einem Be-
gräbnißtage, mit dem Requiem: „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe,
„das ewige Licht — der Anschauung Gottes — leuchte ihnen."
Auch die besondern Gebethe lauten für die Verstorbenen. Dieß soll
uns erinnern, daß jenes Opfer am Kreuze, dessen immerwährendes
Denkmal die heilige Messe ist, auch den abgeschiedenen Christgläu-
bigen noch zur Versöhnung zu statten komme, und daß wir dabei,
besonders heute, die Erbavmungen Gottes, um jener Liebe Jesu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen