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Von den in der katholischen Kirche eingeführten Bittgängen.
Die Bitt- oder sogenannten Kreuzgänge waren bis gegen das
Ende des vierten Jahrhunderts in der christlichen Kirche gar nicht
bekannt, woraus erhellet, daß sie nicht zu den wesentlichen Stücken
der Gottesvcrchrung gehören, sondern zu den zufälligen, welche
von der heiligen Kirche so oder anders angeordnet, vermehrt oder
vermindert, oder auch ganz abgestellt werden können.
Die ersten Anzeigen von Bittgängen finden wir in den Schrif-
ten des heiligen Lhrysostomus, und in der Kirchengcschichte des
Sokrates im 6. B. , 8. H. In der Homilie, welche Chrysosto-
nius hielt, bevor er in die Verbannung ging, spricht er: ,,Mor-
„gen werde ich mit euch einen Bethtag und öffentlichen Umgang
„halten." ,,Dcr Friede sey mit euch," sagt er in der dritten
Homilie über den Brief an die Lolofser, „der Vorsteher der Kirche
„gibt euch den Frieden, einmal, zweimal und öfter. Er gibt
„ ihn in den Tempeln, in den Gebethen und B i t t - und Bethgän-
„gen , und bei Begrüßungen." In der Homilie wider die Spiele
und Schaubühne erzählt er, daß in der Woche vor Ostern ein
anhaltender, häufiger Regen der Hoffnung des Laudmannes das
völlige Verderben gedroht habe. Er habe sich mit fast allen Ein-
wohnern Constantinopcls in dem volkreichsten Zuge in die Apostel-
kirche dieser Stadt begeben, und um die Abwendung dieses Uebels
gesieht. Er sagt, dergleichen Züge, die er Flehungen, Li la-
neyen, d. i. demüthige Gebethe nennt, werden meistens zur Ab?
Wendung öffentlicher Drangsale gehalten.
Nachdem Theodosius den Katholiken ihre Kirchen zu Constan-
tmopel, welche Constantius ihnen entrissen, und sie den Arianern
eingeräumt, wieder gegeben, den Arianern aber nur außen vor der
Stadt Kirchen vergönnet hatte, pflegten sie am Samstage Abends
und an den Abenden vor Festtagen, in der Kaiserstadt gleichwohl
noch feierliche Umgänge zu halten, und in Säulengängen, getheilt
in Chören, Lieder abzusingen, welche nicht nur ihre Lehre enthiel-
ten, sondern auch anstößige Stellen gegen die Katholiken, oft
wiederholend:
Wer sind jene, die da sagen:
Drei nur eine gleiche Macht?
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen