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Von den in der katholischen Kirche eingeführten Bittgängen. 113
und Trinken mit sich nehmen, und noch weniger die Wirthshäuser
besuchen.
Der gute Christ preiset die weise Anordnung der heiligen
Kirche, leistet derselben willigen Gehorsam, und sucht den wenigen
noch bestehenden Prozessionen mit desto mehr Eifer, Frömmigkeit
und Andacht beizuwohnen.
Da nun die Zeit, wo diese Bittgänge gehalten werden, die
Saaten, Wiesen, Fruchtbäume und Weinreben zur schönen Hoff-
nung grünen und blühen, soll uns dieses ermuntern, Gott um
seinen Segen zu bitten, daß er sie erhalte, schädliche Witterung,
Dürre, Nässe, Reif, Hagel und andere Gcfahren abwende, und
das Land vor Theuerung, Hunger, Seuchen und andern Plagen
behüte.
Wenn du also, mein Christ! die Saaten auf dem Felde an-
schauest, so beherzige in tiefer Andacht: sie stehen in der Hand
des Herrn; er gibt ihnen Sonnenschein und Regen zum Wachs-
thum und Gedeihen, und schirmet sie vor Ungcwitter. Ihm haben
wir Alles zu verdanken, was wir zur Nahrung, zur Erhaltung
des Lebens und der Gesundheit bedürfen. Wir müssen aber auch
seine Gaben so einrichten, und mäßig genießen, daß sie uns
gedeihen; — sie nicht zur Schwelgerei und zum Uebermuth, oder
zum Geize mißbrauchen, sondern vielmehr mit dem Segen, den
Gott uns schenkt, auch unsere dürftigeren Brüder erfreuen. Du
mußt dabei aber auch in Gottes Willen ergeben seyn. Sollte es
seiner Weisheit gefallen, die Hoffnung der Saaten durch Hagel
und Mißwachs zu vernichten, so sollst du dennoch seine Güte prei-
sen, und wie das Gute, also auch das Uebel aus seiner Hand
bereitwillig annehmen. — „Himml ischer Va te r ! wende
„das Böse ab, doch nicht mein, sondern dein Wi l le
„geschehe." Widerstrebe seiner göttlichen Fügung nicht. Sollte
sie anhaltenden Regen, Dürre, oder andere Gefahren verhängen,
denke nicht, daß du Gott durch Bittgänge gleichsam gewinnen,
oder nöthigen könnest, seinen Willen zu ändern, sondern begnüge
dich mit der Andacht, welche die Kirche erlaubt. Wohne dem
Gebeth im GotteShause inbrünstig bei; "laube, daß derselbe da in
dem Tabernakel wahrhaftig zugegen ist, der mehrere Tausende
Hungrige nit wenigen Broden gesattigct, so viele Kranke gesund
gemacht, und beim Secsturme dcm Wind und Wetter geboten hat.
Da kannst du im Vertrauen zu ihm ruhiger bethen, ohne jene Zer-
streuung, welche bei häusigen Prozessionen so schwer zu vermeiden
ist. Du darfst hoffen, das Gott die Andacht, welche du im Ge-
horsame gegen die Kirche und ihren Anordnungen gemäß verrichtest,
besser gefalle, und daß du hingegen der Erhörung nicht würdig
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen