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aussehen? Wer vermag diese zu schlagen und vor allem wie? Die gewohnten Wege in Er-
wachsenenbildung und Hochschulbildung: „Normale Seminare“, Kurse, Programme und
Studiengänge scheinen diesen Brückenschlag nicht mehr leisten zu können“. (ebd.: 1)
Faulstich selbst plädiert für einen Wissenschaftsbegriff, der Alltagswissen in-
kludiert. Gemeinden zeigen in diesem Sinne sozial robustes (vgl. Nowo-
tny/Scott/Gibbson 2014) Alltags- und Erfahrungswissen in Bezug auf ländli-
che Bedingtheiten und lebensweltliche Gegebenheiten in Kärnten, die wissen-
schaftlich vielleicht nicht immer ernst genommen werden.
Ländliche Kommunen stellen außerdem lokale Erprobungs- und Erfah-
rungsräume für die soziale Inklusion von Menschen aller Sprachen, aller (so-
zioökonomischen) Lebenslagen und aller Lebensalter zur Verfügung. Da ist
„Lernen [...] integraler Bestandteil des zivilgesellschaftlichen Engagements“
(BMUKK et al. 2011: 32). Dies geschieht (in Kärnten) jenseits politischer La-
ger.
Gemeinden werden in gewisser Hinsicht zum überschaubaren Lernort oder
gar zur „Denkschule“ für das Zusammenleben. Rekonstruierte Erzählungen in
den narrativen Passagen der Interviews erinnern an Ludo M. Hartmanns volks-
bildnerischem Konzept der „Denkschule“ (dort auf die Volkshochschule der
Jahrhundertwende im Roten Wien bezogen), wonach ein wenn auch an neutra-
len Inhalten geschultes Denkvermögen für das Erkennen gesamtgesellschaftli-
cher Zusammenhänge unabdingbar sei (vgl. Filla 2014). Diese lernförderlichen
Beziehungsräume und kleinräumlichen Lernorte sind nicht zuletzt im Sinne
einer politischen Bildung und aktiven Bürgerschaft von großer Relevanz, wenn
es darum geht, Erfahrungswissen in Bezug auf soziale Kohäsion zu generieren.
Community ist in diesem Sinne die kleinste gesellschaftliche Einheit (vgl.
Buhren 1997), die „beforscht“ werden kann.
Die Bürgermeister und die Gemeinderätinnen und -räte verfügen grund-
sätzlich über eine große Sensibilität für soziale Belange in den grundlegenden
(ortsgesellschaftlichen) Bedarfen und Bedürfnissen, auch wenn in den Gesprä-
chen vielfältige personale Wert- und Weltverständnisse und je unterschiedli-
che kommunale Herausforderungen die Gemeinden und den jeweiligen Ort
prägen.
Conclusio
Die qualitative Studie zeigt einerseits Phänomene einer ländlichen Bildungs-
und Kulturarbeit, die von einer traditionellen Erwachsenbildung noch häufig
kritisiert wird, beispielsweise das Konkurrenzverhalten unter den Trägern, ver-
altete Infrastrukturen, ein dominierendes Freizeitprofil der Bildungsangebote
oder (vermeintlich) mangelnde Professionalisierung (vgl. Klemm 2013). An-
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Buch Lernprozesse über die Lebensspanne - Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern"
Lernprozesse über die Lebensspanne
Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
Veröffentlicht mit Unterstützung der Fakultät für Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
- Titel
- Lernprozesse über die Lebensspanne
- Untertitel
- Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
- Autoren
- Monika Kastner
- Jasmin Donlic
- Barbara Hanfstingl
- Herausgeber
- Elisabeth Jaksche-Hoffman
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-8474-1467-4
- Abmessungen
- 14.7 x 21.0 cm
- Seiten
- 190
- Kategorie
- Lehrbücher