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stellt die Fürsorge der Lehrperson für das Wohl ihrer SchülerInnen dar (vgl.
Meyer 2016: 47). Diese wird als notwendige Voraussetzung genannt, um „die
Lernfähigkeit und -bereitschaft der SchülerInnen zu sichern“ (ebd.: 48). Eine
Bestätigung dieser Ausführungen findet sich in den Transkripten der Inter-
views mit den Lehrpersonen der Klasse: „Es muss sich jedes Kind [...] wohl-
fühlen in der Schule, dass es bereit ist, am Lernen teilzunehmen. Das ist ein
Hauptauftrag. Gleich wichtig wie die Vermittlung von Inhalten wie Mathema-
tik oder sonst etwas.“ (LehrerIn 1 2018: 13) Dass dies in der Praxis tatsächlich
so gelebt wird, zeigen auch die Analysen der SchülerInnenbefragungen. Die
von Meyer als grundlegend vorausgesetzte „Liebe, Kraft und Zeit“ (Meyer
2016: 48) werden laut den Berichten der Pädagoginnen auf verschiedenen Ebe-
nen investiert: So fließt beispielsweise sehr viel Zeit in klärende Gespräche
sowohl mit SchülerInnen, als auch mit deren Eltern bzw. Erziehungsberechtig-
ten – ein Faktor, der in Meyers Grundlagenwerk jedoch kaum Erwähnung fin-
det. Der Index für Inklusion hingegen führt die Kooperation mit Eltern als
wichtigen Erfolgsfaktor für gelingende wechselseitige Beziehungen im schu-
lischen Kontext an (Booth/Ainscow 2017: 106). Tatsächlich gestaltet sich der
Schulalltag in dieser inklusiven Klasse dahingehend, dass ein Blick hinter die
Kulissen und in den persönlichen Lebensbereich der SchülerInnen einen we-
sentlichen Bestandteil der täglichen Aufgaben der befragten Lehrerinnen dar-
stellt: „[...] es gibt sicher keinen Tag, wo nicht irgendeine Schülerin oder ein
Schüler kommt und sagt: ‚Frau [...], bitte ich möchte mit Ihnen reden.‘“ (Leh-
rerIn 1 2018: 13) Diese Aussagen werden durch Bemerkungen der SchülerIn-
nen in den Interviews bestätigt: „Sie [die LehrerInnen] sind cool, weil sie kön-
nen jedem helfen. Sie haben für jeden eine Lösung.“ (SchülerInnengruppe 5
2018: 14) Und „[...] wenn du weinend zu ihnen kommst, dann trösten sie dich
auch und sagen, dass wir alles regeln werden“ (SchülerInnengruppe 5 2018:
18). All diese Ausführungen weisen darauf hin, dass in der untersuchten Klasse
viele Maßnahmen für ein fürsorgliches Miteinander gesetzt werden. Es bleibt
zu untersuchen, wie die weiteren Teilaspekte des Merkmals Lernförderliches
Klima – Respekt, Einhalten von Regeln, Teilen der Verantwortung und Lehre-
rIngerechtigkeit – sich in den erhobenen Daten zeigen.
Fazit und Ausblick
Es ist zu betonen, dass sich das Projekt zum gegebenen Zeitpunkt in einer Zwi-
schenphase befindet und daher lediglich partielle Schlussfolgerungen möglich
sind. Erst nach einer Ergänzung der Datengrundlage um die Ergebnisse der
Elternbefragungen kann der inklusive Unterricht in einem ganzheitlichen
Sinne auf das Vorhandensein weiterer Merkmale sowie Indikatoren für Inklu-
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Buch Lernprozesse über die Lebensspanne - Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern"
Lernprozesse über die Lebensspanne
Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
Veröffentlicht mit Unterstützung der Fakultät für Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
- Titel
- Lernprozesse über die Lebensspanne
- Untertitel
- Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
- Autoren
- Monika Kastner
- Jasmin Donlic
- Barbara Hanfstingl
- Herausgeber
- Elisabeth Jaksche-Hoffman
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-8474-1467-4
- Abmessungen
- 14.7 x 21.0 cm
- Seiten
- 190
- Kategorie
- Lehrbücher