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ist es, Mädchen in ihrer Entscheidungsfreiheit zu bestärken und ihnen Ent-
scheidungsfähigkeit zu vermitteln“ (Prengel 2006: 133). So kann es auch eine
Entscheidung sein, eine Zuseherin zu sein. Und doch scheint es aus einer par-
tizipativen Perspektive relevant, einen Raum zu schaffen, in dem alle eine
Stimme finden können. Im Zuge dessen ist eine weitere Erkenntnis performa-
tiver und partizipativer Forschung, das stetige kritische Infragestellen der ei-
genen Annahmen und Erwartungen von Teilhabe und Partizipation. Zur Frage,
wer wie in Prozesse des Lernens und der Bildung eingeschlossen werden kann,
gehört auch die begleitend prüfende Frage, wer dabei ausgeschlossen bleibt
oder wird.
Bildungsprozesse zwischen Anerkennung und Anpassung
Sowohl in den Vignetten, Interviews und Fokusgruppen als auch im partizipa-
tiv-performativen Projekt zeigen sich Ambivalenzen zwischen Inklusion und
Exklusion, Ermächtigung und Besonderung. Allein das Schaffen einer Flücht-
lingsklasse bietet einen Ort der Zugehörigkeit, der zugleich ein Raum des Aus-
schlusses sein kann; die engagierte pädagogische Zuwendung von Lehrkräften
zu den Schülerinnen und Schülern ist um Ermächtigung bemüht, kann dabei
aber leicht zur Vereinnahmung der konkreten Person werden – „der Flücht-
ling“ (vgl. Arendt 2016 [1943]) als Subjekt ist immer auch Objekt der Kon-
struktion. Normalisierung, als meist unausgesprochener Auftrag von Schule,
kann als Anpassung der Vielfalt an eine normativ gesetzte Wunschgesellschaft
verstanden werden oder aber als Anerkennung der gegebenen Vielfalt als Nor-
malität (vgl. Peterlini 2018) – im Sinne einer differenzsensiblen Schule, die
„alle Kinder als Gleiche“ annimmt (Prengel 2014: 50). Eine eigene Projekt-
klasse für Flüchtlinge öffnet Schule für Jugendliche, die sonst aus Bildung aus-
geschlossen würden, sie setzt Prozesse der Normalisierung durch Anerken-
nung in Gang, die fast notwendiger (oder notwendender) Weise durch Prozesse
der Normalisierung durch Anpassung und der Ausblendung von Differenzen
innerhalb der Gruppe ‚Flüchtlinge‘ hindurchgehen. So zeigt sich auch an der
Arbeit mit Flüchtlingen die Ambivalenz von Bildungsprozessen hin zur Er-
mächtigung des Subjekts, die schwerlich ohne Anpassung an gesellschaftliche
Ansprüche zu haben ist.
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Buch Lernprozesse über die Lebensspanne - Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern"
Lernprozesse über die Lebensspanne
Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
Veröffentlicht mit Unterstützung der Fakultät für Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
- Titel
- Lernprozesse über die Lebensspanne
- Untertitel
- Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
- Autoren
- Monika Kastner
- Jasmin Donlic
- Barbara Hanfstingl
- Herausgeber
- Elisabeth Jaksche-Hoffman
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-8474-1467-4
- Abmessungen
- 14.7 x 21.0 cm
- Seiten
- 190
- Kategorie
- Lehrbücher