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Anna-Christina Kainradl und Ulla Kriebernegg | „They say we messed it up. Killing the planet ...“
wohnerInnen thematisiert. Der offensichtliche Reichtum ermöglicht Wil-
ma ein Leben in Wohlstand und materieller Sorglosigkeit. Während dieses
komfortable Leben im privaten Innenraum möglich ist, wird die Bedro-
hung der Lebensgrundlagen in der Welt außerhalb des SeniorInnenheims
als katastrophal dargestellt. Daraus folgt, dass die gerechte Ressourcen-
verteilung in diesem Zusammenhang nicht prospektiv wie bei Fragen des
Erbens, sondern lediglich vor dem Hintergrund der bereits zerstörten Um-
welt thematisiert wird. Weder die Zukunft der ProtagonistInnen noch die-
jenige der Gesellschaft oder der Erde sind Thema, allein die Vergangenheit
und die Gegenwart interessieren. Fragen der gerechten Ressourcenvertei-
lung werden auf dem Hintergrund eines „lack of a future“ (Hartung 2013a,
224) diskutiert, ein Vorwurf, der durch die Babymasken der Demonstran-
tinnen noch verstärkt wird.
Die Fragen der Ressourcenverteilung und der Schuld, beides Themen der
Generationengerechtigkeit, ziehen sich durch die gesamte Kurzgeschichte,
werden jedoch im Moment der Radiodiskussion besonders sichtbar. In der
Darstellung Margaret Atwoods bleibt offen, ob das „Abfackeln der Alten“,
also der Gerontozid, stärker durch den Wunsch nach Ausgleich für die his-
torische Schuld am Klimawandel legitimiert wird oder durch Forderungen
der distributiven Gerechtigkeit in einer Situation dramatischer Ressour-
cenknappheit. Im Frühstücksgespräch erklärt Tobias die Motive für die
Tumulte der jungen Menschen sowohl mit deren Wunsch nach Ressourcen
als auch nach einer Abrechnung: „They say we’ve had our turn, those our
age; they say we messed it up“ (Atwood 2014, 243). Wilma stimmt dieser
Einschätzung zu, betont aber in ihrer Reaktion stärker die Verantwortung
der alten Menschen als die Frage des Zugangs zu Ressourcen: „‘They have
a point there,’ says Wilma. ‘We did mess it up. Not on purpose, though’“
(Atwood 2014, 244). In der Radiodiskussion werden abermals beide Argu-
mentationsstränge als gleichermaßen zum Gerontozid führend dargestellt.
Die Eigenbezeichnung der Gruppe der Jungen (Our Turn) lässt stärker den
Wunsch, an Ressourcen Anteil zu haben, erkennen. Der Zusammenhang
von „Torching the Dusties“ mit weiteren Kurzgeschichten im selben Band,
in denen die Schuldfrage wesentlich mit dem Alter verknüpft wird (Bruey
2017, 18), lässt die Wichtigkeit der Frage nach Kompensation, Vergeltung
und Strafe klarwerden. Erst im Laufe der Kurzgeschichte wird klar, dass
Fragen der Ressourcenverteilung und der Schuld
ziehen sich durch Atwoods Kurzgeschichte.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:1
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:1
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 222
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven