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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Seite - 179 -
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179 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns 1 Einleitung Die Postmoderne brachte der Menschheit nicht nur neue Chancen geisti- ger Befreiung, sondern auch eine anscheinend unüberwindliche Spaltung zwischen der Religion und der säkularen Kultur. Jürgen Habermas nannte diese Erscheinung zwei „Lesearten“ der „postsäkularen“ Gegenwart: „Nach der einen Leseart werden religiöse Denkweisen und Lebensfor- men durch vernünftige, jedenfalls überlegene Äquivalente ersetzt, nach der anderen Leseart werden die modernen Denk- und Lebensformen als illegitim entwendete Güter diskreditiert.“ (Habermas 2001,12–13) Die Spaltung zwischen den „Lesearten“ der Gegenwart ist meiner Ansicht nach nicht so scharf. Häufig vermischen sie sich, doch die Beschreibung ist treffend. Als radikalster Protest gegen den Ersatz religiöser Werte entstand nach Habermas der Fundamentalismus: „Trotz seiner religiösen Sprache ist der Fundamentalismus ein aus- schließlich modernes Phänomen. An den islamischen Tätern fiel sofort die Ungleichzeitigkeit der Motive und der Mittel auf. Darin spiegelt sich eine Ungleichzeitigkeit von Kultur und Gesellschaft in den Heimatlän- dern der Täter, die sich erst infolge einer beschleunigten und radikal ent- wurzelnden Modernisierung herausgebildet hat.“ (Habermas 2001, 10) Die „Verhärtung“ der Orthodoxie betrachtete Habermas auch als Folge der fortwährenden Säkularisierung der Gesellschaft: „Verhärtete Orthodoxien gibt es im Westen ebenso wie im Nahen und im Ferneren Osten, unter Christen und Juden ebenso wie unter Moslems. Wer einen Krieg der Kulturen vermeiden will, muss sich die unabgeschlosse- ne Dialektik des eigenen, abendländischen Säkularisierungsprozesses in Erinnerung rufen.“ (Habermas 2001, 11) Der Fundamentalismus, die Orthodoxie und die Säkularisierung wurden zu den häufigsten Themen theologischer Forschungen unserer Zeit. Der vor- liegende Beitrag schildert, wie sich die fundamentalistischen Züge – vor allem die Diskriminierung der Frauen im religiösen Leben – im ungari- schen Judentum infolge des orthodoxen Einflusses immer deutlicher ab- zeichnen, auch wenn die neue jüdische Orthodoxie (im Folgenden „Neo- Zwei „Lesearten“ der Gegenwart
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
4:1
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
224
Kategorien
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