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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Seite - 180 -
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180 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns Orthodoxie“ genannt) in der Öffentlichkeit nicht so aggressiv auftritt, wie die Haredim (die Ultraorthodoxen). Die Haredim charakterisiert die absolute Befolgung der schriftlichen und mündlichen Tora, dabei bestimmt die Halacha (der Gesamtcorpus des reli- giösen Gesetzes) alle Aspekte ihres Lebens. Doch wollen viele Haredim die religiösen Vorschriften, wie z. B. die Trennung der Geschlechter, die in Israel im öffentlichen Umgang illegal ist, auch im nicht-religiösen Leben geltend machen. So berichtete The Guardian am 22. Juni 2017 über das Erlebnis der 82-jährigen Jüdin Renee Rabinowitz, die sich im Flugzeug umsetzen soll- te, weil ein ultraorthodoxer Passagier nicht neben einer Frau sitzen woll- te (vgl. Beaumont 2017). Frau Rabinowitz war zuerst wie gelähmt, deshalb verklagte sie die israelische Fluggesellschaft erst später. Das Gericht gab ihr Recht. Dieses Urteil sollte als Signal des wachsenden Protestes gegen frauenfeindliches Verhalten der Ultraorthodoxie in Israel gelten. „Denn dort versuchen Ultra-Orthodoxe schon lange, die Geschlechter-Apartheid durchzusetzen.“ (emma.de 2017). Die strenge Geschlechtertrennung wird von den Ultraorthodoxen auf die religiösen Vorschriften zurückgeführt, die ihrer Meinung nach überall in Israel eingeführt werden sollten: „Wenn wir könnten, würden wir durchsetzen, dass das Land Israel nach der Thora ge- führt wird, nach dem jüdischen Gesetz.“ (Lell 2019) Die Ablehnung der zivilen Kultur und der säkularen Gesetze wird auch von den jüdischen Religionsforscher*innen als fundamentalistisch bezeichnet, während die protestantische Definition des Fundamentalismus als „das Wörtlichnehmen einer heiligen Schrift“ für das Judentum schwierig ein- zusetzen ist. Denn individuelle Auslegungen sind im Judentum nicht nur zugelassen, sondern bilden einen wichtigen Teil der obligatorischen Be- schäftigung mit der Tora (vgl. Schöne 2017). Die Soziologin und Anthropologin Nurit Stadler betrachtet den Fundamen- talismus unter dem Blickpunkt des individuellen Verhaltens. Für sie ist der Fundamentalismus ein Strategiepaket für die Rechtfertigung religiöser Identität in der modernen Kultur (vgl. Stadler 2005, 216–217). Fundamen- talist*innen interpretieren den Glauben als eine kontinuierliche religiöse Überlieferung. Sich selbst halten sie für ‚authentische Performer*innen‘ des Glaubens von heute und ‚wahre Beschützer*innen‘ der göttlichen Of- fenbarung (vgl. Stadler 2005, 217). Fundamentalismus als Strategiepaket für die Rechtfertigung religiöser Identität in der modernen Kultur
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
4:1
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
224
Kategorien
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